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Statistisches Bundesamt:Zuwanderer lassen Deutschlands Einwohnerzahl steigen

Mittelfristig rechnen Experten zwar mit einer schrumpfenden Bevölkerung in Deutschland, doch in diesem Jahr ist die Einwohnerzahl erneut gestiegen: Dank der Zuwanderung leben in der Bundesrepublik jetzt Hunderttausende Menschen mehr.

Die Zahl der Einwohner in Deutschland ist im dritten Jahr in Folge gestiegen. Knapp 80,8 Millionen Menschen lebten Ende 2013 in der Bundesrepublik, das waren etwa 300.000 mehr als vor Jahresfrist, teilte das Statistische Bundesamt auf der Basis einer Schätzung mit.

Grund war erneut die Zuwanderung, vor allem aus Osteuropa und den Euro-Krisenländern. Statistiker gehen davon aus, dass erstmals seit 1993 etwa 400.000 Menschen mehr nach Deutschland zu- als weggezogen sind.

Doch der mittelfristige Trend geht in eine andere Richtung: Erneut starben mehr Menschen als geboren wurden, das sogenannte Geburtendefizit - das die Differenz zwischen den Geburten und den Todesfällen darstellt - lag nach Schätzung der Statistiker zwischen 200.000 und 220.000. Wegen der niedrigen Geburtenrate und da sich die hohe Zuwanderung auf Dauer wohl nicht halten lässt, rechnen viele Experten deswegen auf mittlere Frist mit einer schrumpfenden Bevölkerung: Nach einer Modellrechnung des Statistikamtes könnte sie bis 2060 auf knapp 70 Millionen zurückgehen. Nach Prognose des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) könnten der deutschen Wirtschaft 2025 etwa 6,7 Millionen Beschäftigte weniger zur Verfügung stehen als 2008.

Das Freizügigkeitsabkommen mit Bulgarien und Rumänien, das zu Beginn dieses Jahres in Kraft getreten ist, hatte in der Politik in den vergangenen Wochen erst für Aufruhr gesorgt: CSU-Chef Horst Seehofer warnte vor Armutszuwanderung und einem damit einhergehenden Missbrauch des deutschen Sozialsystems.

Mit seiner Offensive gegen Armutszuwanderung und dem drastischen Leitspruch "Wer betrügt, der fliegt", stand der Politiker hart in der Kritik. Unter anderem Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) warf ihm vor, solch eine Debatte "schadet Europa und schadet Deutschland".

© Süddeutsche.de/dpa/Reuters/ratz/anri

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