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Statistik:Weniger Teenagermütter in Deutschland

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Wiesbaden (dpa) - Die Zahl der Teenagermütter ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zurückgegangen - sowohl national als auch international. So wurden im letzten Jahr in Deutschland knapp 11.000 Babys von jugendlichen Müttern zur Welt gebracht, im Jahr 2000 waren es noch mehr als 29.000, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Im Durchschnitt kamen demnach zuletzt 6 Neugeborene auf je 1000 Frauen zwischen 15 und 19 Jahren, im Jahr 2000 lag dieser Wert noch bei 13.

Allerdings ist auch die Anzahl der weiblichen Teenager hierzulande rückläufig: Lebten Anfang des Jahrtausends laut Statistik 2,25 Millionen junge Frauen zwischen 15 und 19 Jahren in Deutschland, waren es 2022 nur noch 1,87 Millionen. Das Bundesamt gab die Zahlen anlässlich des Weltmädchentags am 11. Oktober bekannt.

Bessere Aufklärung und Selbstbestimmung

"Die sinkenden Zahlen bei den Teenagergeburten haben etwas mit der besseren Aufklärung und dem guten Angebot von Verhütungsmitteln zu tun", sagt Martin Bujard vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB). Zudem sprächen junge Menschen inzwischen offener mit Eltern, Lehrern oder Ärzten über Fragen der Sexualität.

"Viele Jugendliche haben heute einen aufgeklärteren und selbstbestimmteren Umgang mit Sexualität", sagt auch Regine Wlassitschau vom Bundesverband von Pro Familia. Auch sei die Gesellschaft liberaler und aufgeschlossener gegenüber Jugendsexualität. "Das wird nicht mehr abgetan. Und natürlich haben Jugendliche ein Recht auf sexuelle Erfahrungen."

Zudem seien verschreibungspflichtige Verhütungsmittel hierzulande für junge Menschen mit dem Rezept kostenlos in der Apotheke erhältlich. Das gleiche gelte für die "Pille danach", erklärt Wlassitschau. Die Expertin betont aber auch, dass man zwischen Teenagergeburten und Teenagerschwangerschaften unterscheiden müsse. Die Zahl der Schwangerschaften sei deutlich höher, oft werde abgetrieben.

Schlechtere Startbedingungen als bei Gleichaltrigen

"Bei Teenagerschwangerschaften handelt es sich meistens um ungewollte Schwangerschaften", sagt auch Bujard. Und: "Wenn sehr junge Menschen Kinder bekommen, ist das besonders einschneidend und kann schwierige Herausforderungen mit sich bringen." Es fehle an Lebenserfahrung und oftmals an einer ökonomischen Sicherheit. Zudem seien die Beziehungen in der Regel instabiler. "Deshalb ist die Zahl der Alleinerziehenden in dieser Altersgruppe besonders hoch."

Die persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten seien eingeschränkt, ergänzt Wlassitschau. "Je früher die Jugendlichen schwanger werden, desto gravierender sind die Auswirkungen, weil Schule oder Ausbildung abgebrochen oder unterbrochen werden müssen." Das seien dann schlechtere Startbedingungen als bei Gleichaltrigen. "Das ist eine Verantwortung, die viel zu früh beginnt."

Rückgang auch global

Und wie ist die weltweite Situation? Das Statistische Bundesamt verweist auf Daten der Vereinten Nationen, nach denen auch die globale Zahl in den vergangenen zwei Jahrzehnten eindeutig zurückgegangen ist. "Wurden im Jahr 2000 im globalen Durchschnitt 64 Neugeborene je 1000 Frauen im Alter von 15 bis 19 Jahren gezählt, waren es 2021 noch 42", hieß es.

Und: Die absolute Zahl der Teenagergeburten sank laut den Vereinten Nationen von jährlich 18,1 Millionen auf 12,8 Millionen. Für 2022 liegen demnach noch keine internationalen Daten vor.

Zugleich nahm - im Gegensatz zu Deutschland - die Zahl der weiblichen Jugendlichen weltweit zu: Und zwar von gut 280 Millionen im Jahr 2000 auf etwa 302 Millionen im Jahr 2021.

Mit Blick auf die internationalen Daten werden regional große Unterschiede deutlich: So gab es die relativ meisten Teenagergeburten 2021 in Zentralafrika mit 119 Neugeborenen je 1000 weiblichen Jugendlichen sowie in Westafrika (104). In Westeuropa lag die Ziffer im Durchschnitt bei 7 Neugeborenen.

Relativ hoch im Vergleich der westlichen Länder ist der Anteil in den USA mit rund 16 Babys je 1000 Frauen zwischen 15 bis 19 Jahren. "Das hat kulturelle und religiöse Gründe, da in Teilen der US-Gesellschaft Sex vor der Ehe oder Abtreibungen abgelehnt werden", erklärt Bujard.

© dpa-infocom, dpa:231010-99-509539/7

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