Statistik für die Stadt Berlin:Höchststand bei antisemitischen Vorfällen

Nach dem Terrorangriff der islamistischen Hamas auf Israel ist die Zahl der von einer Informationsstelle erfassten antisemitischen Vorfälle in Berlin auf einen Höchststand gestiegen. Insgesamt 1270 solcher Beschimpfungen im Internet, realen Beleidigungen, Drohungen, Übergriffe, Angriffe und Sachbeschädigungen gegen Juden, Israelis und Institutionen, seien im vergangenen Jahr registriert worden, teilte die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin (RIAS) bei der Vorstellung ihrer Jahresbilanz 2023 am Mittwoch mit. Das sei ein Anstieg um knapp 50 Prozent im Vergleich zu 2022. Es sei auch die höchste Zahl in einem Jahr, die RIAS seit Beginn der Erfassungen 2015 registriert habe. Schon unmittelbar nach dem Überfall der Palästinenserorganisation Hamas am 7. Oktober seien die gemeldeten antisemitischen Vorfälle sprunghaft gestiegen, so RIAS. Dazu zählten auch viele Taten bei propalästinensischen Demonstrationen. 62 Prozent der Vorfälle im vergangenen Jahr ereigneten sich demnach in den knapp drei Monaten bis Jahresende. Vor Oktober seien wie im Vorjahr im Durchschnitt etwas mehr als zwei Vorfälle pro Woche verzeichnet worden. Ab dem 7. Oktober waren es bis zum Jahresende durchschnittlich 14 Vorfälle pro Woche. RIAS-Geschäftsführerin Julia Kopp sagte: "Der 7. Oktober 2023 stellte eine Zäsur dar. Antisemitismus ist seitdem deutlich präsenter in Berlin." Antisemitismus habe sich verstetigt und verschärft. Jüdisches Leben habe im öffentlichen Raum noch eingeschränkter stattgefunden als zuvor schon. Auch der antisemitische Sprachgebrauch im Internet sei "enthemmter".

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