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Stationierung von fast 10.000 Soldaten:Nato begrüßt Obamas Afghanistan-Pläne

Barack Obama,  Joseph Dunford

Möchte das Kapitel Afghanistan bis zum Ende seiner Präsidentschaft schließen: Barack Obama (links) im Gespräch mit US-Marine-General Joseph Dunford in Afghanistan.

(Foto: AP)

Der vollständige Abzug der US-Truppen aus Afghanistan ist für 2016 geplant, doch vorerst will US-Präsident Obama 9800 Soldaten im Land lassen. Die Nato befürwortet das längerfristige Engagement. Noch fehlt allerdings die Zustimmung aus Kabul.

Die Nato befürwortet die Ankündigung von US-Präsident Barack Obama, auch nach dem Abzug der US-Kampftruppen zum Jahresende fast 10 000 Soldaten in Afghanistan zu lassen. "Wir begrüßen den beachtlichen Beitrag, den die USA für den von der Nato geplanten Einsatz in Afghanistan leisten wollen", sagte eine Nato-Sprecherin in Brüssel.

Die Nato stehe zu ihrer Verpflichtung, auch nach Ende des Kampfeinsatzes der Afghanistan-Schutztruppe Isaf mit Beratern und Ausbildern im Land zu bleiben, hieß es weiter. Die Regierung in Kabul müsse dazu aber das bereits ausgehandelte Abkommen über den rechtlichen Status ausländischer Soldaten unterzeichnen.

Obama hatte seine Pläne einen Tag vor einer groß angekündigten außenpolitischen Rede an diesem Mittwoch vor der Militärakademie in West Point im Bundesstaat New York vorgestellt. Es gehe um ein "neues Kapitel der US-Außenpolitik", sagte Obama. Er wolle dabei seinen Mittelweg zwischen Isolationismus und militärischer Intervention bekräftigen, heißt es in Washington.

"Dieses Jahr bringen wir Amerikas längsten Krieg zu einem verantwortungsvollen Ende", sagte Obama in Washington. Im nächsten Jahr sollten 9800 Soldaten in Afghanistan bleiben, zu Anti-Terror-Einsätzen und zur Ausbildung afghanischer Soldaten. 2016 solle die Präsenz fast ganz abgebaut werden, nur noch wenige Soldaten sollten zum Schutz der US-Botschaft im Land bleiben.

"Es ist schwieriger, einen Krieg zu beenden, als einen anzufangen"

Grundsätzlich meinte Obama: "Die Amerikaner haben gelernt, dass es schwieriger ist, einen Krieg zu beenden, als einen anzufangen." Nach einem Jahrzehnt Krieg im Irak und in Afghanistan sei es nun an der Zeit, ein neues Kapitel aufzuschlagen. Zwar sei Afghanistan kein "perfekter Ort" - die Verantwortung für das Land liege jetzt aber bei den Afghanen.

Obama hofft, dass es nach der Wahl eines neuen afghanischen Präsidenten im Juni rasch zur Unterzeichnung des ausgehandelten Sicherheitsabkommens kommt. Es gelte, die über lange Jahre mit vielen Opfern erzielten Fortschritte zu sichern, hatte er am Sonntag beim Besuch auf dem US-Stützpunkt Bagram gesagt.

In Afghanistan sind derzeit etwa 32 000 US-Soldaten stationiert. Präsident Hamid Karsai weigert sich, ein Sicherheitsabkommen für einen andauernden begrenzten Einsatz der Amerikaner zu unterzeichnen, sondern will das seinem Nachfolger überlassen. Die Präsidentenwahl geht im Juni in die nächste Runde. Karsai durfte kein weiteres Mal zur Wahl antreten.

© Süddeutsche.de/Reuters/dpa/fued

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