TexasEine Stadt für Elon Musk

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In der Nähe des texanischen Ortes, der bald Starbase heißen soll, steht bereits eine Büste des Tech-Milliardärs Elon Musk.
In der Nähe des texanischen Ortes, der bald Starbase heißen soll, steht bereits eine Büste des Tech-Milliardärs Elon Musk. Valerie Gonzalez/AP/dpa

Aus Boca Chica wird Starbase: Der Ort, von dem aus der Unternehmer von der Erde zum Mars fliegen will, trägt nun den von ihm gewünschten Namen.

Von Peter Burghardt, Washington

Es wurde sicher Zeit, dass Elon Musk auf seiner Reise ins All eine eigene Stadt bekommt. Von Brownsville im untersten Eck von Texas aus liegt sie noch einige Meilen weiter östlich – dort, wo der US-Südstaat in den Rio Grande fällt, am mexikanischen Ufer Río Bravo genannt. Und in den Atlantik, der hier seit Jahrhunderten Golf von Mexiko heißt, aber von Donald Trump kürzlich zum Golf von Amerika ernannt worden ist. Da war es nur folgerichtig, dass nun Musks Weltraumbasis ebenfalls einen neuen Namen bekommt und so heißt, wie der reichste Mensch der Erde sich das wünscht: Starbase.

Der Name steht zwar schon länger auf einem Wegweiser neben der holprigen Landstraße, an der die Raketen, Rampen und Hallen von Musks Firma Space-X wie eine Fata Morgana auftauchen. Bislang war die Siedlung allerdings offiziell als Boca Chica verzeichnet, je nach Version als Boca Chica Village oder Boca Chica Beach. An diesem Naturschutzgebiet trafen sich früher Fischer und Vogelbeobachter. Rentner kauften sich ein paar billige Häuser, viele von ihnen kamen aus dem Norden, auf der Suche nach Sonne, Ruhe und Strand.

Nur ein paar Alteingesessene, die sich inzwischen wie Exoten fühlen, halten aus wie die Gallier im Römischen Reich

Dann entdeckte der Unternehmer Musk die Halbinsel für seinen Plan, den Mars zu erobern, um die Menschheit endlich von ihrem alten Planeten zu befreien. Inzwischen hat der Unternehmer die Zentrale von Space-X in dieses Kleinod verlegt, die meisten ehemaligen Bewohner sind geflüchtet, vielen von ihnen wurde mit sanftem Druck das Haus abgekauft. Stattdessen zogen einige der Angestellten des Konzerns in neue Unterkünfte, vor denen häufig ein Tesla geparkt ist.

Nur ein paar Alteingesessene, die sich inzwischen wie Exoten fühlen, halten aus wie die Gallier im Römischen Reich. Stets in der Angst, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fallen könnte, was in diesem Fall jederzeit möglich ist. Die Zufahrt wird stets gesperrt und die Umgebung evakuiert, wenn wieder ein launch ansteht, ein Raketenstart. Zeugen berichten von erdbebenartigen Erschütterungen, draußen über dem Meer gehen immer mal Trümmer nieder.

Am Straßenrand sind bei der Anfahrt längst Denkmäler für Musk zu bewundern. „Ad Astra“ liest man da zum Beispiel über seinem stilisierten Gesicht, zu den Sternen. Und auf einer Fassade in Brownsville entstand ein Graffito mit dem Titel „Boca Chica to Mars“, der zügig überarbeitet werden muss, denn am Wochenende wurde diese Adresse in Starbase verwandelt. 212 Stimmberechtigte waren dafür, sechs dagegen. Musk selbst hat vermutlich auch mitgemacht, denn er besitzt in der ehemaligen Weems Street in Boca Chica alias Starbase ein Haus.

Den Handelsberater der Regierung würde Musk wohl gerne auf den Mond schießen

Ehemalige Weems Street deshalb, weil ihm dieses „Weems“ nicht gefiel und er deshalb Memes Street auf ein Schild schreiben ließ. Sein Wunsch ist ja vielfach Befehl, derzeit häufig in Einklang mit dem Mann im Weißen Haus, wobei es wegen Trumps Zöllen zuletzt Differenzen gab. Den Handelsberater der Regierung würde Musk wohl gerne auf den Mond schießen, ein für seine Verhältnisse naheliegendes Ziel. Dafür darf der Magnat mit seiner irdischen Abrissriege „Doge“ weiterhin den Staatsapparat zerlegen.

Es gibt auch vereinzelten Widerstand in der texanischen Region gegen Musks Allmacht, wobei Grundstückbesitzer auf steigende Preise hoffen oder auf ihrem Terrain mit Sicherheitsabstand Zuschauer empfangen, wenn wieder eine Falcon abhebt oder das Starship. Aktivisten in Brownsville protestierten gegen den Multimilliardär und wiesen auf Umweltschäden hin – eine Wortführerin landete 2022 kurz im Gefängnis, weil sie „gentrified“ und „stop Space-X“ auf ein Wandbild geschrieben haben soll.

Aber jetzt wird ein Richter das Wahlergebnis prüfen und in Kürze Vollzug melden. „Starbase, Texas, is now a real city!“, verkündet Elon Musk auf seiner Internetplattform X. Auch ein Bürgermeister wurde gleich gewählt, nicht Elon Musk, sondern der Angestellte Bobby Peden, sein Motto bei der Plattform Linkedin: „multiplanetares Leben mit schnell wiederverwendbaren, zuverlässigen Raketen.“ Also, von Starbase, Texas, zum Mars. Vielleicht.

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