bedeckt München 16°
vgwortpixel

Stanley McChrystal:Antreten zur Abbitte

Wie erklärt man dem Präsidenten, dass man über ihn gelästert hat? Stanley McChrystal, Nato-Befehlshabers für Afghanistan, muss Barack Obama heute Rede und Antwort stehen. Der US-Präsident rügt McChrystal im Vorfeld öffentlich wegen "schlechten Urteilsvermögens".

Der General dürfte wohl ziemlich weiche Knie haben vor diesem Gespräch: Vor einer endgültigen Entscheidung über die weitere Zukunft des in die Kritik geratenen Nato-Befehlshabers für Afghanistan, Stanley McChrystal, will US-Präsident Barack Obama den General anhören. McChrystal und dessen Berater hätten schlechtes Urteilsvermögen gezeigt, sagte Obama am Dienstag während einer Kabinettssitzung in einer ersten Stellungnahme zu dem Thema. Dies zeige sich in den Bemerkungen des Generals über die Regierung, erklärte Obama. Er habe aber noch nicht entschieden, wie er auf das Verhalten McChrystals reagieren werde, sagte er weiter.

94234243

Hat heute einen schwieriges Gespräch vor sich: Stanley McChrystal.

(Foto: AFP)

McChrystal ist wegen abfälliger Bemerkungen über Obama, ranghohe Regierungsbeamte und die amerikanische Afghanistan-Strategie gegenüber einer Zeitschrift unter Beschuss geraten. Obama sagte, er werde McChrystal am Mittwoch im Weißen Haus treffen. Erst danach werde er eine endgültige Entscheidung über das Schicksal des Generals fällen. Auch Verteidigungsminister Robert Gates werde mit McChrystal sprechen.

Am Freitag soll ein Artikel in dem Magazin Rolling Stone erscheinen, in dem McChrystal und seine engen Mitarbeiter mit abschätzigen Bemerkungen über die Militärstrategie der Obama-Regierung zitiert werden. Regierungsvertreter erwarten, dass McChrystal seinen Rücktritt anbietet.

Der General ist in Afghanistan Chef der internationalen Truppen und hat im vergangenen Jahr den Strategiewechsel am Hindukusch umgesetzt. Die USA stockten ihre Truppen massiv auf, gingen in die Offensive gegen die radikal-islamischen Taliban und entwickelten gleichzeitig einen Zeitplan für einen Abzug ihrer Kampftruppen.

"Weicheier im Weißen Haus" - die Sprache von McChrystal ist in dem Rolling Stone-Porträt deutlich. Er fühle sich von Kabuls US-Botschafter Karl Eikenberry "verraten". Der habe sich im vergangenen Jahr gegen eine Truppenaufstockung ausgesprochen, weil er nur nach seinem Platz in den Geschichtsbüchern schiele.

Auch der Präsident bekam sein Fett weg: Ein erstes Treffen mit Barack Obama habe McChrystal "sehr enttäuscht", zitierte laut dem Magazin ein anonymer Berater den General. "Das war ein zehnminütiger Fototermin", sagte der anonyme Mitarbeiter, "Obama wusste ganz offensichtlich nichts von ihm, wer er war - er schien nicht sehr interessiert."

Rolling Stone zitiert auch einen beleidigenden Dialog McChrystals mit einem Mitarbeiter über Joe Biden: "Wer ist das?", fragte McChrystal spottend, als die Sprache auf den US-Vizepräsidenten kam. Der Mitarbeiter antwortete "Sagten Sie Bite me (Deutsch: Leck mich)?" McChrystal dementierte keine der Aussagen.

© sueddeutsche.de/AP/rtr/pfau/jobr
Zur SZ-Startseite