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Obama zürnt Afghanistan-Kommandeur:"Weicheier im Weißen Haus"

Der US-Präsident zitiert Stanley McChrystal, seinen Befehlshaber in Afghanistan, nach Washington. Der "General außer Kontrolle" hatte die US-Führung in einem Interview mit dem Musikmagazin "Rolling Stone" heftig kritisiert.

US-General Stanley McChrystal hat einen Gang nach Canossa vor sich: Nach seiner heftigen Kritik an der US-Regierung wurde der Befehlshaber der Nato-Truppen in Afghanistan ins Weiße Haus zitiert. Präsident Obama sei "wütend" über McChrystals Äußerungen im Musikmagazin Rolling Stone, hieß es. Der General soll dem Präsidenten nun am Mittwoch Rede und Antwort stehen.

Stanley McChrystal, Karl Eikenberry

Entschuldigt sich nach Rolling Stone-Interview: US-General Stanley McChrystal.

(Foto: ap)

"Weicheier im Weißen Haus" - die Sprache von McChrystal ist in dem Rolling Stone-Porträt deutlich. Er fühle sich von Kabuls US-Botschafter Karl Eikenberry "verraten". Der habe sich im vergangenen Jahr gegen eine Truppenaufstockung ausgesprochen, weil er nur nach seinem Platz in den Geschichtsbüchern schiele.

Auch der Präsident bekam sein Fett weg: Ein erstes Treffen mit Barack Obama habe McChrystal "sehr enttäuscht", zitierte laut dem Magazin ein anonymer Berater den General. "Das war ein zehnminütiger Fototermin", sagte der anonyme Mitarbeiter, "Obama wusste ganz offensichtlich nichts von ihm, wer er war - er schien nicht sehr interessiert."

"Leck mich"

Rolling Stone zitiert auch einen beleidigenden Dialog McChrystals mit einem Mitarbeiter über Joe Biden: "Wer ist das?", fragte McChrystal spottend, als die Sprache auf den US-Vizepräsidenten kam. Der Mitarbeiter antwortete "Sagten Sie Bite me (Deutsch: Leck mich)?" McChrystal dementierte keine der Aussagen.

"General außer Kontrolle" ("The Runaway General") - so hatte Rolling Stone das Porträt McChrystals betitelt. Für seine dort zitierten Äußerungen entschuldigte sich McChrystal mittlerweile. In einer am Dienstag in Kabul veröffentlichten Erklärung bat der General darum, seine "aufrichtige Entschuldigung" zu akzeptieren: "Es war ein Fehler, der eine falsche Einschätzung zeigt und nie hätte passieren dürfen", so McChrystal. Die Äußerungen entsprächen nicht seinen "Prinzipien von persönlicher Ehre und Integrität".

Die Nato stellte sich in einer ersten Stellungnahme unterdessen hinter den US-General. "Der Artikel im Rolling Stone ist bedauerlich, aber es ist nur ein Artikel", sagte ein Sprecher in Brüssel. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen habe weiterhin "volles Vertrauen in General McChrystal und dessen Strategie".