Standardwaffe:Vier Faktoren sind für die Mängel verantwortlich

Zum Effekt der heißgeschossenen Waffe heißt es im zusammenfassenden Bericht, alle untersuchten G36 mit langem Rohr (es gibt auch Kurzversionen) hätten im kalten Zustand die Anforderungen erfüllt. Bei den folgenden Treffbildern hingegen sei die Treffwahrscheinlichkeit "kontinuierlich deutlich" gesunken. Als Ursache wird das "Gesamtsystem" mit vier Faktoren ausgemacht, die hauptverantwortlich seien: Munition, Temperatur des Systems, Waffenfabrikat und Konstruktionsstand sowie die einzelne Waffe.

Zum Thema Fabrikat heißt es: "Ein untersuchtes Waffenfabrikat erfüllt im Gegensatz zum G36 die Forderungen." Dies habe gezeigt, "dass die Forderungen bei schussinduzierter Erwärmung technisch erfüllbar sind". Zur Temperatur halten die Prüfer fest: "Das G36 wird konstruktionsbedingt bei schussinduzierter Erwärmung innen deutlich heißer als Vergleichswaffen." Dies bewirke, "dass eine Abnahme der Treffwahrscheinlichkeit beim G36 bereits bei geringen Schusszahlen mit allen untersuchten Munitionssorten und -losen auftritt".

Heckler & Koch spricht von "neuen Prüfbedingungen"

Auch bei geänderter Außentemperatur schneidet das Gewehr den Prüfern zufolge schlechter ab als "Vergleichswaffen". Beim G36 sinke die Treffwahrscheinlichkeit "in teilweise erheblichem Umfang". Der "Wechsel zwischen trockener und feuchter Umgebung" führe zu ähnlichen Einschränkungen - nur deutlich langsamer.

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Der Hersteller Heckler & Koch hatte kürzlich nochmals darauf verwiesen, dass alle G36-Gewehre der Bundeswehr die vereinbarten technischen Lieferbedingungen erfüllten. Jedes Gewehr sei abgenommen worden. Die Bundeswehr habe allerdings in der Zwischenzeit "offensichtlich unter bewusstem Ausschluss von Heckler & Koch" neue Prüfkriterien definiert.

Einsatz im Dauerfeuer war bei Bestellung nicht zugrunde gelegt worden

Tatsächlich hatte ein Sprecher des Ministeriums am Freitag vor Bekanntwerden des Abschlussberichts gesagt, es sei "sicherlich nicht sachgerecht, jetzt in Bausch und Bogen dieses Gewehr für untauglich zu erklären". Vielmehr sei es so, dass "unter normalen Bedingungen dieses Gewehr sich durchaus im Rahmen dessen verhält, was man von so einem Gewehr erwartet". Der Einsatz etwa im Dauerfeuer, wie er in Afghanistan notwendig wurde, sei eben nicht das, was man vor der Bestellung in den Neunzigerjahren zugrunde gelegt habe. Es sei auch nicht das, was die Soldaten der Bundeswehr "täglich in ihren Einsätzen erleben". Es sei aber "ein Szenario, das wir nicht vernachlässigen dürfen".

Man werde nun "noch mal fünf, sechs Wochen brauchen", um den Bericht zu bewerten. Bei der Untersuchung sei "geballter Sachverstand, wissenschaftlicher ballistischer Sachverstand" am Werk gewesen. "Das hat schon eine Schwere, und das hat schon eine Validität." Bis in den Herbst sollen zudem die beiden Expertenkommissionen zum G36 arbeiten, die von der Leyen eingesetzt hat. Offen ist, ob die Grünen einen Untersuchungsausschuss anstreben.

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