Stand der Aufklärung von sexuellem Missbrauch Eine neue Kommission soll es richten

Jetzt erst soll es Bewegung geben. An diesem Freitag soll im Bundestag darüber beraten werden, ob und wie eine unabhängige Aufklärungs-Kommission eingesetzt werden kann. Immerhin: 2016 soll sie ihre Arbeit aufnehmen. Warum gibt es diese Kommission nicht längst? Weil viele in der Politik gedacht hätten der Runde Tisch, der damals eingerichtet worden ist, hätte doch schon genug aufgeklärt, sagt der Beauftragte Rörig. Es sei mühsam gewesen, die Politik vom Gegenteil zu überzeugen.

Erst die Debatte, dann das Geld

Geht es nach Katsch, Kohn und Koerfer, dann soll in der Kommission auch die Entschädigungsfrage geklärt werden, um die sich die Kirchen und andere öffentliche Institutionen bisher drücken. Pater Mertes hat selbst für die Jesuiten an der 5000-Euro-Regel mitgewirkt. Seit dem ist nichts weiter passiert. Obwohl mit den 5000 Euro ja auch das eigene Organisationsversagen anerkannt wurde.

Mertes hält die Summe selbst für unbefriedigend. Verschanzt sich aber dahinter, es müsse jetzt erst eine gesellschaftliche und politische Debatte über die Höhe der Entschädigung geführt werden. Mit anderen Worten: Freiwillig rücken auch die Jesuiten vorerst nicht mehr raus.

Auch eine Kommission kann keine Entschädigungszahlungen erzwingen. Sie wird höchstens Empfehlungen aussprechen können. Der moralische Druck soll dann helfen, die Forderungen durchzusetzen.

Wie so eine Empfehlung aussehen könnte, skizziert Katsch: In Irland seien in ähnlichen Fällen 65000 Euro gezahlt worden. Als unterste Grenze würde er 25000 Euro für jeden der rund 1500 Betroffenen als gerade noch akzeptabel empfinden. Zusammen rund 38 Millionen Euro.

Eine Aufklärungskommission hätte viel zu tun

Nur zum Vergleich: Der frühere Bischof von Limburg, Franz-Peter Tebartz-van Elst hat für seinen Protzbau knapp 31 Millionen Euro hingelegt. Er musste deswegen im März 2014 sein Amt in Limburg aufgeben. Soll aber jetzt einen neuen Job in Rom bekommen.

Matthias Katsch hat seinen Fall 1991 dem Vatikan zur Prüfung vorgelegt. Seit dem liegt seine Akte in der Glaubenskongregation. Bis heute hat er nichts gehört von kirchlicher Seite. Trotz ständiger Erinnerung und Nachfragen. Keine Anhörung, keine Entschuldigung. Nichts. Bisher ist offenbar nur ein Opfer aus katholischen Institutionen von einem deutschen Bischof angehört worden. Und das nur unter großem öffentlichen Druck. Es wird einfach immer weiter vertuscht. Für eine Aufklärungskommission gäbe es viel Arbeit.