Stämme im Irak Bagdads Politik der Unterdrückung der Sunniten (2008-2012)

"Sahwa"-Mitglieder 2009 in Süden Bagdads.

(Foto: AFP)

Der Sold der Amerikaner hatte manche "Söhne des Irak" überzeugt, gegen al-Qaida zu kämpfen. 2008 versiegt für viele der Geldstrom, als die Regierung die Kontrolle und die Bezahlung der "Sahwa"-Milizen übernimmt. Etliche Stammeskrieger werden entlassen, die übrigen von der Regierung in Bagdad vernachlässigt.

Die Regierung des schiitischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki hat wenig Interesse an einer stärkeren Rolle der Sunniten - weder politisch noch militärisch. Schon 2010 berichtet die New York Times, dass Hunderte Sahwa-Kämpfer ihren Dienst für die Regierung nicht mehr antreten. Al-Qaida/ISI bemüht sich angeblich mit Erfolg darum, sie mit einem besseren Sold anzuwerben.

Nach dem Abzug der US-Truppen aus dem Irak 2011 wird die Situation für die "Söhne des Irak" noch schwieriger. Ministerpräsident Maliki verfolgte zum Ausbau seiner Macht "eine zusehends konfessionell geprägte Politik, die sunnitische Bevölkerungsgruppen und Führungspersönlichkeiten marginalisierte", schreibt der Politikwissenschaftler Jochen Hippler.

Als Raubzug einer korrupten Elite von Bagdad bezeichnet auch Guido Steinberg von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin die Entwicklung im Irak. Maliki habe versucht, jegliche Beteiligung von Sunniten und Säkularisten an der Regierung zu verhindern. Hochrangige sunnitische Regierungsmitglieder wurden nach und nach kaltgestellt. Und dass die schiitische Islamische Republik Iran großen Einfluss auf Malikis Regierung in Bagdad nimmt, dürfte den Sunniten ebenfalls nicht gefallen.