Stämme im Irak Die Rolle der USA und die "Söhne des Irak" (2006 - 2008:)

Selbst Osama bin Laden ist Sarkawis Vorgehen im Irak zu hart. Das geht aus Dokumenten hervor, die nach dem Tod des Al-Qaida-Chefs entdeckt werden. Kein Wunder, dass Sarkawis Versuch, die sunnitischen Stämme auch mit Gewalt - etwa durch die Ermordung von Stammesführern - unter seine Kontrolle zu zwingen, scheitert. Im Sommer 2006 tun sich in der Provinz Anbar insgesamt 25 der 31 sunnitischen Stämme zusammen, um gegen die Terroristen vorzugehen.

US-General David Petraeus gelingt es, diese Koalition namens "Sahwa" (Erwachen) zu Verbündeten zu machen. Die USA bezahlen die auch als "Söhne des Irak" bezeichneten Stämme für den Kampf gegen al-Qaida. Und unter denen, die Geld kassieren, sind auch Iraker, die zuvor gegen die Amerikaner und sogar für al-Qaida gekämpft haben.

Im Oktober 2006 verbündet sich al-Qaida im Irak zwar noch mit sechs sunnitischen Stämmen sowie weiteren Gruppen von Aufständischen zur Mutayibeen-Koalition. Al-Sarkawis Nachfolger Abu Ayyub al-Masri, ein Ägypter, ändert die Strategie gemeinsam mit einem weiteren mutmaßlichen Anführer der Gruppe, dem Iraker Abu Omar al-Baghdadi: mehr Zusammenarbeit statt gewaltsamer Kontrolle.

Ein Fahndungsfoto der US-Armee zeigt Abu Ayyub al-Masri

(Foto: AFP)

Gemeinsam mit ihren neuen Verbündeten rufen sie den "Islamischen Staat im Irak" (ISI) aus. Zu ihren Anhängern zählt offenbar auch der jetzige "Kalif" Abu Bakr al-Baghdadi mit Angehörigen seines Stammes in Samarra und der Provinz Diyala.

Doch die Mutayibeen-Koalition scheitert. Den sunnitischen Stämmen der "Erwachten" gelingt es gemeinsam mit US-Truppen und Regierungssoldaten, die Terrororganisation ISI und ihre Verbündeten zurückzudrängen. Die militärische Lage stabilisiert sich bis 2008. Die Gewalt geht drastisch zurück.