Wechsel im Weißen Haus Obamas Stabschef tritt zurück

Nach nur einem Jahr im Amt erklärt Obamas Stabschef William Daley seinen Rücktritt. Der Nachfolger steht bereits fest: Jacob Lew, der derzeitige Haushaltsdirektor der Regierung, soll den US-Präsidenten künftig beraten.

Von Reymer Klüver, Washington

Der Stabschef des amerikanischen Präsidenten, William Daley, hat nach nur einjähriger Amtszeit überraschend seinen Rücktritt angekündigt. Sein Nachfolger soll zum Monatsende der bisherige Haushaltsdirektor des Weißen Hauses, Jack Lew, werden.

Präsident Barack Obama sagte, Daleys Entscheidung sei "schwer" zu akzeptieren gewesen. Daley habe einen "herausragenden Job" in dem wohl ereignisreichsten Jahr seiner Regierungszeit gemacht. Obama verliert damit bereits seinen zweiten Stabschef. Der erste Amtsinhaber, der durchsetzungsstarke Rahm Emanuel, hatte das Weiße Haus im Herbst 2010 verlassen, um als Bürgermeister in seiner Heimatstadt Chicago zu kandidieren.

Der neuerliche Wechsel soll erst Ende des Monats vollzogen werden, damit Lew noch Zeit hat, den Etatplan der US-Regierung für das kommende Haushaltsjahr abzuschließen. Daley soll die Fertigstellung der State of the Union Address überwachen, des Berichts zur Lage der Nation, den der Präsident Ende des Monats abgibt.

Der 63-jährige Daley hatte seinem Chef Anfang vergangener Woche nach der Rückkehr aus den Weihnachtsferien sein Rücktrittsgesuch überreicht. Obama hatte es nach eigenen Angaben zunächst nicht akzeptieren wollen und Daley zwei Tage Zeit gegeben, seine Entscheidung zu überdenken. Daley sei aber bei seinem Entschluss geblieben, um mehr Zeit mit seiner Familie verbringen zu können, wie Obama sagte.

Wann immer diese Formel in Washington gebraucht wird, gilt das als klarer Hinweis, dass mehr als nur private Gründe im Spiel waren. Daleys Amtszeit wird allgemein als glücklos eingestuft. Obama hatte den auf beiden Seiten des politischen Spektrums geschätzten Daley vor allem geholt, um die belasteten Beziehungen zu den Republikanern zu entkrampfen und einen Kompromiss im Streit um die Staatsverschuldung und die Haushaltssanierung zu erreichen. Das erwies sich im Laufe des vergangenen Jahres als unmöglich. Daley hatte damit die wohl wichtigste Aufgabe in seiner Jobbeschreibung nicht erfüllen können.

Offenkundig hat er auch nie wirklich Zugang zum engsten Beraterkreis um Obama gefunden. Bereits im Oktober hatte er in einem Interview mit Journalisten aus Chicago angedeutet, dass es ihn in seine Heimatstadt zurückziehe. Im November hatte ihm Obama das Management des täglichen Büroalltags entzogen und wieder seinem Vertrauten Pete Rouse übertragen, der als Interims-Stabschef nach Emanuels Abgang fungiert hatte.