Sri Lanka Gefährliche Botschaft

Geblockt: Wer sich zuletzt auf Sri Lanka per Facebook austauschen wollte, stieß auf weiße Bildschirme.

(Foto: Eranga Jayawardena/AP)

"Eines Tages wirst du weinen" - diese Botschaft postete ein Mann auf Facebook. Das reichte aus, um Wut und Gewalt zu entfachen. Da die Nervosität seit den Terroanschlägen groß ist, entschied sich die Regierung zu einem drastischen Schritt.

Von Arne Perras, Singapur

Eine missverständliche Botschaft auf Facebook hat offenbar schon gereicht, um Wut und Gewalt zu entfachen. In Sri Lanka ist die Anspannung nach den verheerenden Terrorattacken an Ostern groß. Die Anschläge schürten Misstrauen zwischen den religiösen Gruppen, nun brechen diese Ressentiments verstärkt auf, was den Staat dazu veranlasste, die sozialen Medien zu blockieren. Whatsapp, Facebook und andere Kanäle wurden vorübergehend abgeschaltet.

Im Ort Chilaw an der Westküste hatte ein Facebook-Post eines muslimischen Ladenbesitzers die christliche Gemeinde aufgebracht. Sie sahen darin - offenbar irrtümlicherweise - die Ankündigung eines weiteren Anschlags. Der Satz, der die Wut auslöste, lautete: "Eines Tages wirst du weinen", in welchem Zusammenhang die Worte gepostet wurden, blieb zunächst allerdings unklar.

Ein Streit im Straßenverkehr löst Gewalt zwischen Christen und Muslimen aus

Steine flogen auf Geschäfte, Wohnhäuser und Moscheen, die Polizei versuchte die Wut mit Schüssen in die Luft einzudämmen, wie die Onlineseite des Daily Mirror in Sri Lanka berichtete. Der 38 Jahre alte Urheber des Internet-Posts wurde nach Medienberichten festgenommen, ebenso wie eine ungenannte Zahl von mutmaßlichen Randalierern. Über das genaue Ausmaß der Zerstörungen gab es zunächst keine Angaben.

Schon in der vergangenen Woche hat ein Streit im Straßenverkehr einen gewalttätigen Zusammenstoß zwischen Christen und Muslimen im Ort Negombo ausgelöst. Dort sind an Ostern Dutzende Gläubige in der St. Sebastian's Church gestorben. Etwa zehn Prozent der 21 Millionen Bürger in Sri Lanka sind Muslime, die christliche Minderheit macht knapp acht Prozent aus, überwiegend folgen die Bewohner des Inselstaates dem Buddhismus.

Zusammenstöße zwischen Christen und Muslimen hatte es vor den Osteranschlägen in Sri Lanka nicht gegeben, Anzeichen gab es lediglich für verhärtete Fronten zwischen buddhistischen Hasspredigern und kleinen Zirkeln muslimischer Radikaler. Kaum einer hatte damit gerechnet, dass die Islamisten dort einen Großangriff auf Kirchen starten würden.

Die Regierung in Sri Lanka rechtfertigte das Sperren der sozialen Medien am Montag als einen notwendigen Schritt, "um den Frieden im Land zu erhalten". Es handele sich lediglich um eine vorübergehende Blockade, damit die Spannungen nicht weiter eskalierten, erklärte sie. Mit einer ähnlichen Sperre hatte der Staat nach den islamistischen Terrorattacken vom Ostersonntag reagiert, bei denen 257 Menschen ums Leben kamen. Über Nacht hat die Regierung außerdem eine Ausgangssperre verhängt.

Die Menschen in Sri Lanka versuchen immer noch zu verstehen, wieso ihr Staat trotz der Warnungen von Geheimdiensten offenbar völlig untätig blieb, als die Terroristen ihre Attacken auf Hotels und Kirchen vorbereiteten. Die Täter kommen überwiegend aus wohlhabenden Familien. Vertreter des muslimischen Rates erklärten, sie hätten Sicherheitskräfte auf die Radikalisierung einzelner Gemeindemitglieder hingewiesen, seien jedoch ignoriert worden.

Zu den Terrorattacken hat sich der "Islamische Staat" bekannt. In der vergangenen Woche erklärte der Polizeichef, alle Täter seien entweder tot oder in Gewahrsam. Doch am Montag meldeten srilankische Medien die Festnahme eines weiteren Verdächtigen, der mit den Anschlägen in Verbindung stehen soll.