Sri Lanka Die Zahl der  Toten steigt

Bisher sind durch die mörderischen Attentate vom Ostersonntag 359 Menschen gestorben. Die Regierung tauscht jetzt die Chefs der Sicherheitskräfte aus.

In Sri Lanka hat sich die Zahl der Todesopfer der Bombenanschläge vom Ostersonntag auf 359 erhöht. Darunter waren 38 Menschen, die in der Nacht zum Mittwoch in Krankenhäusern ihren Verletzungen erlagen, wie die Polizei mitteilte. Mehr als 400 Verletzte wurden noch behandelt, einige in kritischem Zustand. 34 Ausländer sind unter den Getöteten, 14 Menschen sind noch vermisst. Wie das Auswärtige Amt in Berlin mitteilte, ist ein Deutsch-Amerikaner unter den Opfern.

Die Regierung des Inselstaats kündigte an, die Chefs der Sicherheitsbehörden wegen unzureichender Informationspolitik zu entlassen. Staatspräsident Maithripala Sirisena kündigte in der Nacht zum Mittwoch im Fernsehen an, innerhalb von 24 Stunden solle die Führung der Polizei und der anderen Sicherheitskräfte ausgetauscht werden. Sirisena sagte, dass Hinweise auf mögliche Anschlagspläne nicht an die Regierung weitergegeben worden seien. Ausländische Geheimdienste hätten bereits am 4. April über mögliche Selbstmordanschläge auf Kirchen und Touristenziele im Land informiert, einige Informationen seien aus Indien gekommen, gab Regierungschef Ranil Wickremesinghe bekannt.

Fast zur selben Zeit hatten srilankische Selbstmordattentäter am Sonntag in drei Kirchen und in drei Luxushotels Sprengstoff detonieren lassen. Es folgten später zwei Explosionen in einem Hotel und einer Wohnstraße Colombos. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat die Selbstmordanschläge am Dienstag für sich reklamiert.

Sri Lankas stellvertretender Verteidigungsminister Ruwan Wijewardene forderte am Mittwoch die Bevölkerung auf, "wachsam zu sein". Wie zuvor Regierungschef Ranil Wickremesinghe mitgeteilt hatte, befinden sich noch Verdächtige auf der Flucht, einige hätten Sprengstoff bei sich. Insgesamt, so Wickremesinghe, seien inzwischen 60 Verdächtige wegen der Attentate festgenommen worden. Vize-Verteidigungsminister Wijewardene machte auch weitere Angaben über die Attentäter. Acht der insgesamt neun Täter seien identifiziert, unter ihnen sei auch eine Frau gewesen. Die Mehrzahl von ihnen sei gebildet gewesen und habe zur oberen Mittelschicht gehört. Sie hätten im Ausland studiert, einer vermutlich in Großbritannien und Australien. Ihre möglichen Verbindungen zum IS würden überprüft, sagte Wijewardene. Über einen Ableger des IS in Sri Lanka war bisher nichts bekannt.

Nach Einschätzung der Regierung Sri Lankas waren die Anschläge als Vergeltung für den Anschlag auf Moscheen im neuseeländischen Christchurch im März gedacht. Ein Sprecher von Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern sagte am Mittwoch allerdings, der Regierung des Pazifikstaats seien keine derartigen Geheimdienstinformationen bekannt. Bei dem Anschlag eines rechtsextremen, mutmaßlichen Einzeltäters auf zwei Moscheen am 15. März waren 50 Menschen getötet und Dutzende verletzt worden.