bedeckt München 22°

Spitzenkandidaten im Saarland:Leises Duell im Schatten der Alpha-Männer

Staatstragender SPD-Herausforderer gegen sachliche Ministerpräsidentin: Im Saarland treten Heiko Maas und Annegret Kramp-Karrenbauer bei der Landtagswahl gegeneinander an - und wollen doch zusammen regieren. Bei aller Harmonie: Beide riskieren bei der Wahl am Sonntag das Ende ihrer politischen Laufbahn. Fragt sich nur, wer Anführer und wer Verlierer wird in einer Koalition.

Er ist keiner, der sich ranwanzt an die Menschen. Vorhin, da hat er eine Fabrik für Leitplanken besucht, ist durch die Werkshalle gelaufen und hat es tatsächlich geschafft, mit keinem einzigen Arbeiter zu plaudern. Später, als er zu seinem Wahlkampfbus ging, ließ er eine Gruppe Passanten unbehelligt rechts stehen, ohne auch nur einem auf die Schulter zu klopfen. Jetzt ist es schon Mittag, Heiko Maas steht in der Saarbrücker Fußgängerzone mit einem Bündel Rosen in der Hand und muss Straßenwahlkampf machen. "Darf ich Ihnen eine Rose geben?", brummt er mit leiser Stimme. Die ältere Frau mit gefärbtem Haar bleibt stehen. Sie schnuppert. Dann sagt sie: "Riechen tut sie nicht."

"Nein", sagt Heiko Maas, "sie duftet." Als er weiterzieht zum nächsten Termin, legt er unauffällig ein Dutzend rote Rosen zurück auf den SPD-Wahlkampfstand. Seine Mitarbeiter müssen das jetzt übernehmen.

Kann so einer Ministerpräsident werden? Im Saarland? In einem Land, das in den vergangenen Jahrzehnten von jovialen Alpha-Männern wie Peter Müller und Oskar Lafontaine regiert wurde, die sich dröhnend in den Mittelpunkt schoben oder bei Volksfesten so lange die Krüge hoben und Skat spielten, bis alle anderen schon daheim waren? Dieser leise, bedächtige, fast schon introvertierte Mann? Ja, er könnte, denn die Zeiten haben sich geändert im Saarland.

"Nicht in herzlicher Abneigung verbunden"

Wenn die Menschen in dem kleinen Land am Sonntag abstimmen, haben sie die Wahl zwischen dem sachlichen, staatstragenden SPD-Herausforderer Heiko Maas - und der sachlichen, staatstragenden CDU-Regierungschefin Annegret Kramp-Karrenbauer. Zwischen zweien, die sich sehr ähnlich sind in der Ernsthaftigkeit, mit der sie Politik betreiben. Zwischen zweien, die miteinander können, die sich "nicht in herzlicher Abneigung verbunden" sind, wie es die CDU-Frau nennt, was unter saarländischen Politikern alles andere als selbstverständlich ist. Die beiden haben längst beschlossen, dass sie eine große Koalition bilden wollen, um ihr hoch verschuldetes Land zu retten. Die Frage ist nur noch, wer von beiden der Anführer wird und wer der Verlierer.

Annegret Kramp-Karrenbauer war in diesen Tagen in Illingen unterwegs, auf dem Wochenmarkt. "Nicht erschrecken, ich mach' nichts", sagt die 49-Jährige, wenn sie an einen Stand herantritt. Was ziemlich überflüssig ist, denn keiner erschrickt, wenn er die zierliche Regierungschefin sieht, die keine großen Reden schwingt, nur mal ein Döschen Propolis kauft und fragt, wie lange man schon hierher kommt, ehe sie sich mit einem "prima" verabschiedet.

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite