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Spionage:Der Westen gibt Contra

Wladimir Putin hat sein Agentenspiel zu weit getrieben.

Von Stefan Kornelius

Wladimir Putins Vorstellung vom Agentengeschäft ist, nun ja, klassisch: Spionage war schon immer, wird immer sein - und über die Mittel sollte man besser schweigen. Ein Überläufer wie der Doppelagent Skripal ist für ihn "ein Verräter, ein Drecksack, sonst nichts". Außerdem ist "Spionage wie Prostitution eines der wichtigste (sic) Gewerbe der Welt". Und die öffentliche Empörung? "Ich hoffe, dass das bald vorbei ist. Je schneller, desto besser."

Gut möglich, dass der russische Präsident, vormals ein KGB-Mann, stehen geblieben ist in seinem Lernberuf. Jedenfalls wird die Sicht Putins nicht mehr überall geteilt. Russland hat mit seinem Agenten-Aktivismus und der politischen Destabilisierung durch Cyberwerkzeuge das klassische Spionagespiel überreizt. Der Westen reagiert mit der denkbar brutalsten Waffe: Enttarnung. Die alten Spielregeln gelten nicht mehr, jetzt wird öffentlich vorgeführt.

Russland hat sich mit seiner Einmischung in die US-Wahl deutlich überhoben. Nun reagiert der Westen. Die US-Streitkräfte stellen ihre Cyberabwehr-Fähigkeiten der Nato zur Verfügung, Briten und Niederländer enttarnen den russischen Aktionsradius von Kuala Lumpur bis ins schweizerische Spiez. Putins Hoffnung trügt: Die Sache wird alles andere als bald vorbei sein.

© SZ vom 05.10.2018

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