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Spionage:China wirbt Spitzel an

Das Bundesamt für Verfassungsschutz warnt vor dem chinesischen Geheimdienst. Dieser versuche derzeit massiv, Deutsche anzuwerben. Schon 10 000 Bürger seien von Agenten über soziale Medien kontaktiert worden.

Von Ronen Steinke, Berlin

Mitarbeiter des chinesischen Geheimdienstes sollen derzeit eine "massive" Kampagne zur Anwerbung von Spitzeln in Deutschland unternehmen, warnt das Bundesamt für Verfassungsschutz. Schon 10 000 deutsche Staatsangehörige habe Chinas Ministerium für Staatssicherheit über soziale Medien kontaktiert. Die Agenten tarnten sich demnach als Mitarbeiter von Headhunting-Agenturen oder Consulting-Firmen, von Thinktanks oder als Wissenschaftler. Sie böten Geld für "Analysen" an, oft fünfstellige Beträge. Der Präsident des zuständigen Bundesamts für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, warnt vor einem "breit angelegten Versuch der Infiltration insbesondere von Parlamenten, Ministerien und Behörden". Vor allem im sozialen Netzwerk Linked-in betreibe der Nachrichtendienst mindestens 500 gefälschte Profile, um Deutschen mit besonderen Einblicken Jobangebote zu unterbreiten. Die Fotos zeigten asiatische Schauspieler oder Models. Das Profilbild zu "Laeticia Chen" etwa, laut Linked-in "Manager of Project Evaluation at China Center of International Politics and Economy (CCIPE)", stammt von einer Modekette. Ziel sei es stets, die deutsche Zielperson zu Reisen nach China zu bewegen, wo sie unter größeren Druck gesetzt werde. Spätestens dann werde auch Vertraulichkeit verlangt. Zu den wichtigen Tarnorganisationen zählt der Verfassungsschutz das "Centre for Sino-Europe Development Studies".

© SZ vom 11.12.2017

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