Israelische Sperranlage

In Sachen Mauerbau inszeniert sich Israels Premierminister Benjamin Netanjahu gern als Vorreiter. Kein Wunder also, dass er gleich per Twitter wissen ließ: "Präsident Trump hat recht. Ich habe eine Mauer an Israels südlicher Grenze gebaut. Sie hat die illegale Immigration gestoppt. Großartiger Erfolg, großartige Idee." Seinen Wählern verspricht er seit Langem schon, Israel ringsherum abzuschotten. "Wir müssen uns gegen Raubtiere verteidigen", pflegt er zu sagen. Gut befestigte Grenzanlagen gibt es also im Norden gegenüber den Feindesländern Libanon und Syrien, doch auch an die Grenzen zu Jordanien und Ägypten, mit denen Israel Frieden geschlossen hat. Die "Mutter aller Mauern" aber zieht sich rings um das palästinensische Westjordanland - teils als Betonwall, teils als mehrfach gesicherter Gitterzaun. Begonnen worden war mit diesem 700 Kilometer langen Wall 2002, auf dem Höhepunkt der zweiten Intifada, um Selbstmordattentäter fernzuhalten. Doch mit dieser Sperranlage wird nicht nur das Land geschützt, sondern auch Land geraubt, weil sie teils tief in palästinensisches Gebiet einschneidet. Von Peter Münch

Bild: dpa 4. Februar 2017, 12:152017-02-04 12:15:10 © SZ vom 4./5.2.2017/lala