Atlantikwall

Noch heute, mehr als 70 Jahre nach seiner Entstehung, ist der Atlantikwall ein Denkmal deutscher Megalomanie. Im Dezember 1941 gab Hitler die Anweisung, Tausende Kilometer von Europas Westküste zwischen Südfrankreich und Norwegen mit einem Sperrgürtel von Bunkern, Geschützbatterien, MG-Nestern und Panzertürmen zu versehen. Bis zum Juni 1944, als die Alliierten in der Normandie den Atlantikwall binnen Stunden durchbrachen, wurde zweieinhalb Jahre lang daran gebaut. Das geschah vor allem durch die Organisation Todt, eine Art staatseigener Riesenkonzern, mit Hunderttausenden Zwangsarbeitern, darunter auch KZ-Häftlinge. Strategisch war der Atlantikwall ein gigantischer Fehler, weil eine solche Befestigungslinie im Zeitalter der Luftbeweglichkeit, der Konzentration von Feuerkraft und der materiellen Überlegenheit große Armeen nicht aufhalten und kleine Kommandounternehmen nicht verhindern konnte. Von den mehr als 8000 Bunkern sind viele noch vorhanden. Sie erscheinen wie Überbleibsel aus einer Welt militärischer Saurier und stammen dennoch aus unserer eigenen frühen Gegenwart. Von Kurt Kister

Bild: Süddeutsche Zeitung Photo 4. Februar 2017, 12:152017-02-04 12:15:10 © SZ vom 4./5.2.2017/lala