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Spenden:Besser helfen - mit schwerem Herzen

Illustration zu Spenden

(Foto: SZ.de)

Wer für bestimmte Bedürftige spendet, lässt die anderen hängen. Das kann niemals gerecht sein. Mit kalter Logik versuchen manche nun, möglichst effektiv zu helfen.

Es ist so leicht, Gutes zu tun. Aber es ist auch schwierig, Gutes zu tun. Vor allem ist es schwierig, Gutes richtig zu tun.

Das zeigt das Beispiel James Robertson: 2015 tauchten Berichte über den 56-jährigen Arbeiter auf, der in Detroit täglich mehr als dreißig Kilometer zur Arbeit marschieren musste, weil er sich keinen Wagen leisten konnte. Über die Crowdfunding-Plattform GoFundMe spendeten 13 000 Menschen für ein Auto. Für die 350 000 Dollar, die zusammenkamen, hätte sich Robertson einen Ferrari kaufen können. Ein anderer Fall ist Fidenzio Sanchez, greiser Eisverkäufer in Chicago. Ein Bild des gebeugten Mannes auf Facebook löste eine Spendenflut aus: Mit 277 000 Dollar kann der 89-Jährige nun in den Ruhestand gehen.

Es ist leicht und bequem zu helfen, indem man schnell etwas Geld spendet, gerührt vom Schicksal einzelner Hilfsbedürftiger oder für Gruppen, für die sich Spendenorganisationen mit großem Engagement einsetzen. Dabei gibt es Millionen Menschen in Not: Hungernde, Kranke, Flüchtlinge. Aber auch die Kinder der Hartz-IV-Empfänger im Nachbarhaus, die sich keine Nachhilfe leisten können. Und dann ist da noch der Schutz der Umwelt und der Tiere. Wer hat Hilfe am nötigsten? Wem schenken wir unser Geld, wem enthalten wir es vor?

Spendeverhalten in Deutschland

Wie sich die Deutschen entscheiden, zeigt die jährliche Studie der GfK für den Deutschen Spendenrat. Insgesamt gespendet wurden der GfK zufolge 2015 gut 5,5 Milliarden Euro, das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) kam sogar auf 6,73 Milliarden Euro. Fast 80 Prozent entfielen der GfK zufolge auf den Bereich humanitäre Hilfe. Auf die Bereiche Umweltschutz, Tierschutz, Sport oder Kulturpflege kommt der Rest. Da die humanitäre Hilfe zum großen Teil an international arbeitende Organisationen geht, fließt verhältnismäßig wenig Geld in Projekte, die sich innerhalb Deutschlands engagieren.

Besonders gern spenden Menschen nach Meldungen von Natur- und Hungerkatastrophen oder angesichts des Flüchtlingselends. Das führt allerdings zu Problemen: Für die Hilfsorganisationen kann es schwierig werden, Geldmittel sinnvoll zu investieren, wenn sie an einen bestimmten Zweck gebunden sind. So erklärte etwa das Japanische Rote Kreuz nach dem Erdbeben 2011, Spenden für die Erdbebenhilfe würden erst einmal nicht benötigt. Und die französischen Médecins Sans Frontières (Ärzte ohne Grenzen) nahmen eine Woche nach dem Tsunami in Südostasien 2004 keine Spenden mehr an, die an die Tsunamihilfe gebunden waren, und baten die Spender, Gelder auch für andere Projekte freizugeben.

Experten raten deshalb, ohne Zweckbindung zu spenden. Schließlich wissen die Helfer am besten, wann und wo das Geld am nötigsten gebraucht wird. Besonders längerfristige Dauerspenden helfen darüber hinaus bei der Planung von Hilfsleistungen und senken die Verwaltungskosten. Manche Organisationen bieten etwa Fördermitgliedschaften an und informieren die Spender dann regelmäßig über ihre Arbeit.

Spenden in Deutschland - wer ist vertrauenswürdig?

Wer nicht nur vernünftig spenden will, sondern auch sichergehen, dass sein Geld das Ungleichgewicht zwischen Wohlstand und Not ein wenig verringert, sollte darauf achten, welche Hilfsorganisationen vertrauenswürdig sind. Ob sie ihre Tätigkeiten und Finanzen umfassend offenlegen, prüft etwa das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI). Mehr als 200 Organisationen dürfen sich mit dem DZI-Spenden-Siegel schmücken.

Mehr als 700 Spendensammler haben außerdem die "Initiative Transparente Zivilgesellschaft" von Transparency International Deutschland unterzeichnet und sich damit verpflichtet, die wichtigsten Daten über Tätigkeit und Finanzen im Internet offenzulegen. Auch der Deutsche Spendenrat gewährleistet, dass seine mehr als 60 Mitglieder - darunter etwa das Rote Kreuz, Oxfam, das Kinderhilfswerk und der Tierschutzbund - den Umgang mit Spenden jährlich offenlegen. Darüber hinaus vergibt der TÜV Thüringen ein Zertifikat an Organisationen mit effizienter Spendenbeschaffung und -betreuung.

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