Spekulationen um US-Kabinett:Obamas neue, alte Mannschaft

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Der alte und künftige US-Präsident muss sein Kabinett entscheidend umbauen. Wichtige Ressortchefs wie Außenministerin Hillary Clinton gehen - und werden womöglich von einem Ex-General und einem früheren Präsidentschaftskandidaten ersetzt.

Hubert Wetzel

Spekulationen um US-Kabinett: Solide, zuverlässig, aber wenig glamourös: John F. Kerry mit US-Präsident Barack Obama.

Solide, zuverlässig, aber wenig glamourös: John F. Kerry mit US-Präsident Barack Obama.

(Foto: AFP)

Für seine zweite Amtszeit wird sich Präsident Barack Obama einige neue Kabinettsmitglieder suchen müssen. Gleich drei politische Schwergewichte haben mehr oder weniger offen erkennen lassen, dass sie amtsmüde sind und nach der Wahl nur noch einige Wochen und Monate auf ihren Posten bleiben wollen.

Am deutlichsten hat Außenministerin Hillary Clinton ihren Wunsch geäußert, das Kabinett zu verlassen - und zwar bereits Anfang nächsten Jahres. "Ich habe vor, kurz nach der Amtseinführung zu gehen; das ist mein Plan", sagte sie jüngst in einem Interview. Obama wird am 20. Januar den Amtseid ablegen. Clinton will danach nur noch so lange bleiben, bis ein Nachfolger gefunden ist.

Derzeit werden in Washington vor allem drei Namen für das State Department gehandelt: Thomas Donilon, Susan Rice und John Kerry. Donilon, 57, ist Obamas Sicherheitsberater. Für den Präsidenten hätte dessen Wechsel ins Außenministerium den Vorteil, dass dort dann ein Minister säße, dem er vertrauen kann, der die außenpolitische Agenda des Chefs kennt und sie ohne Mäkelei und Eitelkeiten umsetzen würde.

Rice ist im Moment UN-Botschafterin, sie ist eine Freundin und Beraterin Obamas schon seit dem Wahlkampf 2008. Als schwarze Frau würde die 47-Jährige gut in das Kabinett eines Präsidenten passen, der das moderne, vielfältige, tolerante Amerika darstellen will. Rice ist keine Karrierediplomatin, hat sich aber den größten Teil ihres Arbeitslebens mit Außenpolitik - vor allem mit Afrika - beschäftigt.

In Washington gilt sie als Mitglied einer Gruppe von Obama-Beraterinnen, die als Genocide Chicks bekannt sind. Die saloppe Bezeichnung geht darauf zurück, dass diese Beraterinnen für den Einsatz militärischer Gewalt durch Amerika plädieren, um notfalls weltweit Menschenrechtsverletzungen, Kriegsverbrechen oder Massaker zu verhindern. Die Gruppe und insbesondere Rice waren die treibende Kraft hinter Obamas Entschluss, im libyschen Bürgerkrieg einzugreifen.

Libyen könnte Rice nun aber auch zum Verhängnis werden. Nach dem Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi, bei dem der Botschafter getötet wurde, zog sie durch verwirrende Äußerungen zum Ablauf der Attacke den Zorn der Republikaner auf sich. Da Clintons Nachfolger vom Senat bestätigt werden muss und die Republikaner die Ernennung auch mit ihrer Minderheit in der Kammer verzögern oder verhindern könnten, wäre eine Nominierung von Rice für Obama politisch riskant.

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