SPD:Aber was dann? Inhaltliche Impulse?

Stattdessen reagieren die enttäuschten Genossen ihren Frust anderweitig ab. So wie schon am Wahlabend der bayerische SPD-Bundestagsabgeordnete Christian Flisek, der sich den Auftritt der Parteispitze angesehen und daraufhin getwittert hatte, vielleicht könne Parteivize Ralf Stegner wenigstens bei der Rede von Schulz "aus dem Bild gehen, wenn er schon nicht seine Verantwortung übernimmt" - womit er auf die Zustände in Stegners Landesverband Schleswig-Holstein anspielte.

Ziemlich breit ist an der Parteispitze allerdings die Meinung vertreten, dass man an der Aufstellung um den Kandidaten herum etwas ändern müsse. Dessen Kernmannschaft besteht aus Leuten, die keine Erfahrung darin haben, einen Bundestagswahlkampf in vorderster Reihe zu führen - angefangen mit Generalsekretärin Katarina Barley. Erfahrene Strategen hingegen, über die man in der Partei durchaus verfügt, bleiben außen vor. Trotzdem heißt es am Montag aus der Spitze, es solle vorerst keine personellen Veränderungen geben.

Aber was dann? Inhaltliche Impulse? Als Schulz am Montagmorgen beim Presseauftritt sinngemäß gefragt wird, ob er inhaltlich zu beliebig geblieben sei, antwortet er: "Ich kenne den Vorwurf. Wir nehmen das auch sehr ernst." Und tatsächlich soll in der nächsten Woche ein Programmentwurf beschlossen werden. Zu den harten, womöglich entscheidenden Themen Steuern und Rente allerdings habe Schulz noch keine abgeschlossene Meinung, heißt es aus der Parteispitze. Bis zum Programmparteitag Ende Juni sei ja noch Zeit. Und womöglich lasse man sich mit manchen Punkten sogar noch länger Zeit.

Die Schlagworte, die man am Montag in der SPD hört, lauten stattdessen Gerechtigkeit, Zukunft, Europa. Das klingt überaus wolkig, doch zumindest scheint man an der Parteispitze verstanden zu haben, dass man mit dem Punkt Gerechtigkeit allein nicht weiterkommen wird, sondern ihn ergänzen muss - so, wie einst Gerhard Schröder mit dem Stichwort "Innovation".

Wenigstens scheint Schulz nun entschlossen zu sein, die offenen Flanken des Gegners auch mal zu nutzen. Auf die Frage, ob die SPD das Thema innere Sicherheit vernachlässigt habe, verweist er auf die rechtsextremen Umtriebe bei der Bundeswehr und das Versagen der Behörden, die einen deutschen Oberleutnant als syrischen Flüchtling akzeptierten: Beide zuständigen Ministerien würden von der CDU geführt.

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