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Machtkampf in der SPD:Warum der neue Generalsekretär zum Problem der SPD werden könnte

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Der 39-jährige Lars Klingbeil würde als Generalsekretär auf Hubertus Heil folgen.

(Foto: imago/photothek)

Lars Klingbeil gilt als einer der Hoffnungsträger der Sozialdemokraten. Sein Aufstieg zum Generalsekretär kommt allerdings nicht bei allen gut an.

Von Christoph Hickmann, Berlin

Dem Sozialdemokraten Lars Klingbeil ist kürzlich bei der Bundestagswahl etwas gelungen, was ihn seither zu einer Art Vorzeigegenossen macht: Er hat den zuvor schwarzen Wahlkreis "Rotenburg I - Heidekreis" gewonnen, mit 41,2 Prozent der Erststimmen. Weil Klingbeil mit seinen 39 Jahren zudem für die Verhältnisse der Politik blutjung ist und somit für den in der SPD so dringend benötigten Aufbruch stehen könnte, wurde seither gemunkelt, dass aus ihm etwas werden könnte. So kommt es nun: Parteichef Martin Schulz will ihn am Montag dem Präsidium als neuen Generalsekretär vorschlagen. Damit wird Klingbeil zu einer der wichtigsten Figuren in der Oppositionspartei SPD.

Klingbeil kommt aus Munster, einem der wichtigsten Bundeswehr-Standorte. Sein Vater, mittlerweile im Ruhestand, war Unteroffizier. Ihn selbst aber zog es nicht zur Truppe, er leistete seinen Zivildienst in der Bahnhofsmission in Hannover. Als Abgeordneter im Bundestag jedoch, in dem er 2005 erstmals für wenige Monate als Nachrücker saß und seit 2009 ununterbrochen sitzt, fand er zu jenem Gebiet, das ihn geprägt hat: Er widmete sich, neben digitalen Themen, der Verteidigungspolitik. Dazwischen lagen unter anderem ein Studium der Politikwissenschaft, Soziologie und Geschichte sowie ein Job im Wahlkreisbüro von Gerhard Schröder.

Mit einer Länge von 196 Zentimetern, dem Körperbau eines Wandschranks und einem meist freundlichen Gesichtsausdruck erinnert er zuweilen an einen gut gelaunten Bären - was dazu beitragen dürfte, dass nun prompt die Zweifler fragen, ob Klingbeil die notwendige Härte für den Job mitbringe. Und was ihn eigentlich, mal abgesehen vom gewonnenen Wahlkreis, für den Schlüsselposten qualifiziere.

Doch Klingbeil gehörte bereits im vergangenen Jahr, damals noch unter Parteichef Sigmar Gabriel, zu den Unterstützern eines Kanzlerkandidaten Schulz. Der zeigt sich nun dankbar - und bindet zudem mit der Personalie Klingbeil den mächtigen niedersächsischen Landesverband ein.

Doch die Entscheidung könnte für Schulz noch zum Bumerang werden. Sollte Klingbeil beim Parteitag im Dezember gewählt werden, wären drei der vier wichtigsten SPD-Posten (Vorsitzender, Generalsekretär, Fraktionschefin, Parlamentarischer Geschäftsführer) mit Männern besetzt, obwohl es stets heißt, die Partei müsse weiblicher werden. Außerdem gehört Klingbeil dem konservativen Seeheimer Kreis an und damit der Strömung, aus der auch Schulz kommt - was den Parteilinken nicht gefallen kann. Und schließlich dürfte die Personalie nach den SPD-Proporzregeln die Chancen eines weiteren Niedersachsen schmälern, Anfang der Woche als Bundestags-Vizepräsident nominiert zu werden: Thomas Oppermann muss in der SPD-Fraktion gegen zwei Gegenkandidatinnen antreten. Würde er nicht gewählt, wäre Fraktionschefin Andrea Nahles beschädigt, die sich für ihn ausgesprochen hat.

© SZ vom 20.10.2017/bemo/stein

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