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SPD-Wahlkampf:Wer mag, soll lachen

Die Wahlkampf-Postkarte der Jusos, auf der Kanzlerin Merkel mit Uli Hoeneß abgebildet ist, ist nur mäßig lustig - und wahltaktisch betrachtet eher doof. Es wäre an der Zeit, dass die SPD endlich einen Wahlkampf macht, der politisch aufhorchen lässt.

Ein Kommentar von Kurt Kister

Die SPD ist im Wahlkampf für viele Überraschungen gut. Wenn noch vor ein paar Tagen einer gesagt hätte, dass die Jusos mit einer Postkarte des sehr lebenserfahrenen SPD-Künstlers Klaus Staeck Stimmen gewinnen wollen, dann hätte man gesagt: Ja, ja, Staeck, das war vor 40 Jahren in einem anderen Land.

Macht nichts, die Jusos, die es immer noch gibt, haben nun eine Staeck-Postkarte vor Fußballstadien verteilt. Auf ihr ist ein Handschlag zwischen Merkel und Hoeneß zu sehen, und Merkel sagt zu Hoeneß: "Wir steuern das schon."

Das ist mäßig lustig, weil Agitprop, egal ob schwarz oder rot, grundsätzlich nur mäßig lustig ist. Wahltaktisch ist so ein Kärtchen eher doof. Es bestärkt nur jene, die ohnehin nie Merkel wählen würden. Die vielen anderen aber siedeln es irgendwo zwischen irrelevant, antiquarisch und ärgerlich an.

Peer Steinbrück, der immerhin zehn Jahre jünger ist als Staeck, verteidigt die Aktion als "Satire". Auch in Ordnung, denn heutzutage gilt nahezu alles, was ein wenig bescheuert wirkt und so gemeint sein könnte, als Satire, sogar die Besetzung der Chefredaktion des Spiegel. Steinbrück hat einerseits recht, so schlimm ist das aus der Zeit gefallene Kärtchen nicht. Wer mag, soll über Parteihumor lachen. Andererseits wäre es jetzt allmählich an der Zeit, dass der Kandidat und die ganze Partei einen Wahlkampf machen, der aufhorchen lässt und polarisiert.

© SZ vom 26.08.2013

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