Olaf Scholz und Klara Geywitz

Noch im Juni hatte Vizekanzler und Finanzminister Olaf Scholz (61) gesagt, er stünde aus zeitlichen Gründen nicht für den Parteivorsitz zur Verfügung. Angesichts der bisherigen Kandidatinnen und Kandidaten hat er sich offenbar umentschieden - und ist nun tatsächlich der bekannteste SPD-Politiker im Rennen.

Scholz bringt eine Menge Erfahrung in der Bundespolitik mit - vor seiner Arbeit im gegenwärtigen Kabinett Merkel war er bereits Bundesminister für Arbeit und Soziales, seit 2009 ist er einer der stellvertretenden SPD-Bundesvorsitzenden. Er war Erster Bürgermeister von Hamburg und Vorsitzender der dortigen SPD. Im Frühjahr 2018 übernahm er nach dem Rücktritt von Martin Schulz kommissarisch den Posten des SPD-Vorsitzenden, bis Andrea Nahles gewählt wurde. Im Gegensatz zu vielen anderen Bewerbern befürwortet Scholz die große Koalition.

Scholz tritt zusammen mit der Brandenburger Landtagsabgeordneten Klara Geywitz (43) an, die ebenfalls Mitglied im Parteivorstand ist und wie Scholz in Potsdam wohnt. 2018 saßen beide in der Hauptverhandlungsrunde, die den Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD auf Bundesebene aushandelte. Seit 2004 ist Geywitz Abgeordnete im Potsdamer Landtag, wo sie durchaus Sinn für Humor beweist. 2016 sagte sie in einer Debatte über ein Burka-Verbot: "Es dürfte in Brandenburg ungefähr so viele Burka-Trägerinnen geben wie illegal eingewanderte Elche aus Polen." Derzeit kandidiert sie für den Wiedereinzug bei der Landtagswahl am 1. September.

Geywitz gilt als schonungslos ehrlich, aber auch konfliktfähig. Probleme löst sie eher im Hintergrund. Sie gilt als Nachwuchshoffnung der Brandenburger SPD, ist aber auch mit anderen Landesverbänden gut vernetzt. Von 2008 bis 2013 war sie stellvertretende Landesvorsitzende in Brandenburg, von 2013 bis 2017 Generalsekretärin. Von diesem Amt trat sie aber 2017 zurück, nachdem Regierungschef und Parteikollege Dietmar Woidke ohne Rücksprache die von ihr befürwortete Kreisreform abgesagt hatte.

Geywitz und Scholzen haben die Unterstützung des SPD-Landesverbands Hamburg.

Bild: dpa(2) 28. August 2019, 19:412019-08-28 19:41:03 © SZ.de/blani/fued/mcs