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SPD-Vorsitz:Zwei von links wollen an die Spitze

Christina Kampmann und Michael Roth

Die beiden ersten Bewerber: Christina Kampmann und Michael Roth wollen an die Spitze der SPD.

(Foto: dpa)
  • Christina Kampmann, die ehemalige Familienministerin aus NRW, und Europa-Staatsminister Michael Roth kandidieren gemeinsam für den SPD-Vorsitz.
  • Roth gehört dem linken Parteiflügel an. Kampmann gilt ebenfalls als eher linke Sozialdemokratin.
  • Ihre Bewerbung trifft in der Partei auf Zuspruch, obwohl beide nicht als politische Schwergewichte gelten.

Sie wollen keinen Reparaturbetrieb führen, sondern an einem "spannenden Ort großer Debatten und Visionen" namens SPD arbeiten: Europa-Staatsminister Michael Roth und die ehemalige nordrhein-westfälische Familienministerin Christina Kampmann haben als erstes Duo ihre Kandidatur für den Bundesvorsitz der Sozialdemokraten angemeldet. Am Montag hatte die Bewerbungsfrist begonnen, viele Genossen erhoffen sich von einer Doppelspitze die Lösung.

Beide Politiker gelten bisher nicht als Schwergewichte in der Partei. Dennoch trifft ihre Bewerbung auf Zuspruch: Bislang waren Spitzenpolitiker der SPD dadurch aufgefallen, sich selbst aus dem Rennen um den Parteivorsitz zu nehmen. Es war der Eindruck entstanden, niemand scheine Interesse an dieser Aufgabe zu haben. Dem stellen sich die beiden Politiker entgegen. Roth, 48, offenbarte im Doppelinterview mit der Tageszeitung Neue Westfälische, er habe die Idee fürs rote Duo gehabt. Kampmann wiederum gab preis, warum sie einwilligte: Sie habe eben als frühere Standesbeamtin gelernt, "in den richtigen Situationen Ja zu sagen".

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Die heute 38-jährige Landtagsabgeordnete aus Bielefeld war gegen Ende der rot-grünen Koalition von NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft zur Familienministerin berufen worden. Große Impulse aus Kampmanns 20-monatiger Amtszeit sind in Düsseldorf nicht erinnerlich. Eher beeindruckte sie mit unbekümmertem Ehrgeiz, der ihr bei Genossen den Ruf einer "wandelnden Ich-AG" einbrachte. Als Kampmann, nunmehr in der Opposition, 2017 in den SPD-Fraktionsvorstand strebte, stimmten nicht einmal ihre Parteifreunde aus Ostwestfalen für sie. Ebenso platzte 2018 ihr Traum von einem Ministeramt in der Groko (anstelle von Svenja Schulze) - trotz angeblicher Protektion von Hannelore Kraft und Lars Klingbeil. Die eher linke Sozialdemokratin und frühere Bundestagsabgeordnete (2013-2015) wuchs auf einem Biobauernhof auf und weiß mit großen Tieren umzugehen: "Ich bin mit Bullen aufgewachsen", erzählte sie 2016 in einem Video-Interview, "die sind pflegeleicht, die muss man nicht melken."

Roth war in den vergangenen Wochen und Monaten der Frust und die Verzweiflung über den Zustand der SPD anzumerken. Zu Christi Himmelfahrt meldete er sich per Tweet aus der Küche, ein Video zeigte ihn mit frischen Zimtschnecken. Statt sich weiter über seine "SPD zu ärgern", habe er lieber gebacken. Es war derselbe Tag, an dem UN-Generalsekretär António Guterres den Karlspreis erhielt und die Aachener Gastgeber sich ärgerten, dass kein Bundesminister oder Staatssekretär es für nötig hielt, die Ehrung für den Chef der Weltorganisation mitzuerleben. Roth gehört dem linken Parteiflügel an. Bisher hatte er sich dafür ausgesprochen, an der großen Koalition festzuhalten. Es wird mit weiteren Bewerbungen bis zum 1. September gerechnet.

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