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SPD und Grüne in Gesprächen mit der Union:Komplizierter Weg zu Schwarz-Grün

Die alte Führung hat ihren Rückzug angekündigt (Renate Künast und Jürgen Trittin von der Fraktionsspitze, Claudia Roth vom Parteivorsitz) oder will, wie Parteichef Cem Özdemir, zwar weitermachen, ist aber durch das Wahlergebnis geschwächt. So wie Katrin Göring-Eckardt, die bisherige Spitzenkandidatin, die jetzt gegen Kerstin Andreae um den Fraktionsvorsitz kämpft.

Neue Gesichter sind die Saarländerin Simone Peter, die Parteichefin werden will, und der designierte Fraktionschef Anton Hofreiter. Der traf Trittin am Montagabend in Berlin beim Mitte-Italiener "Muret La Barba" zu Wein und Pasta. Es dürfte zwar auch um die Rolle des Fraktionschefs gegangen sein - aber ebenso um das Gespräch Ende nächster Woche mit der Union.

Hofreiter soll, wenn er am Dienstag in der Fraktion gewählt wird, dabei sein. Ursprünglich als Teilnehmer vorgesehen waren nur Roth und Özdemir für die Partei sowie Göring-Eckardt und Trittin als bisherige Spitzenkandidaten. Da die Union aber mit mehr Leuten anrücken will, sollen nun neben dem künftigen Fraktionschef auch noch Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann und die stellvertretende nordrhein-westfälische Regierungschefin Sylvia Löhrmann dazukommen - sowie, falls sie sich gegen Göring-Eckardt durchsetzt, Kerstin Andreae.

Allein das belegt, wie kompliziert der Weg in eine schwarz-grüne Koalition wäre. Nach einem auf Rot-Grün ausgerichteten Wahlkampf könnten diesen Weg eigentlich nur Leute vorgeben, die fest im Sattel sitzen und am besten übermäßiger Sympathien für die Konservativen unverdächtig sind - so wie Trittin. Dessen Machtwillen und Geschick sollte man im Übrigen nicht unterschätzen. Sollte es mit der Union ernster werden, könnte er schneller wieder im Spiel sein, als manchem Grünen lieb ist. Profi genug, die Schmähungen aus dem Wahlkampf zu vergessen, ist er ohnehin.

Erst einmal aber müssten wohl SPD und Union in einer ersten Runde ernsthafter Gespräche scheitern. Bis dahin hätten die Grünen wohl auch ihre neue Führung beisammen - am Dienstag sollen die Fraktionschefs gewählt werden, am dritten Oktoberwochenende die Parteivorsitzenden. Wie sehr sie derzeit mit diesen Fragen beschäftigt sind, konnte man bei ihrem kleinen Parteitag am Samstag besichtigen. Dort ging es um Aufarbeitung und kaum um die Koalitionsfrage. Mit vier weiteren Jahren in der Opposition könnten die meisten Grünen wohl gut leben. Allerdings ist man sich auch einigermaßen einig, das man sich nicht noch einmal so fest an die SPD ketten sollte wie zuletzt.

© SZ vom 02.10.2013/sana
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