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SPD und Grüne in Gesprächen mit der Union:Vertrackte Dreiecksgeschichte

Greens Party Holds Federal Congress

Trau, schau, wem: Katrin Göring-Eckardt, Jürgen Trittin und Gastredner Sigmar Gabriel (Mitte) beim Grünen-Parteitag im April.

(Foto: Carsten Koall/Getty Images)

Zwischen den einstigen Wunschpartnern SPD und Grüne wächst das Misstrauen. Die Sozialdemokraten fragen sich, was die Grünen von der Union halten. Einige aus der SPD gewinnen Schwarz-Grün viel Gutes ab - andere sehen vor allem eine große Gefahr.

Ohne Angst, so sagt die SPD, gehe sie in die erste Sondierungsrunde mit der Union zur heiklen Frage einer Regierungsbildung. Das stimmt, wenn man sich in der Partei umhört, allerdings nicht ganz. Die Sozialdemokraten machen sich eine ganze Menge Sorgen - um sich selbst, um die Pläne der CDU/CSU, aber auch um den bisherigen politischen Wunschpartner, die Grünen.

Ob die wohl doch bereit sein könnten, den schwarzen Lockrufen zu folgen und sich zu einem Bündnis mit den Unionspolitikern zusammenzutun? Die SPD-Politiker, die gern eine Antwort hätten, finden bei den Grünen derzeit keine kompetenten Gesprächspartner mehr. Die bisherige Führung löst sich auf, die neue ist noch nicht installiert. "Ich weiß nicht mehr, was bei denen gerade passiert", sagt jemand aus der roten Führungsmannschaft.

Zwar haben sowohl SPD als auch Grüne in Richtung Union versichert, dass sie sich untereinander keinen Wettlauf in Sachen Regierungsbildung liefern würden. Die Kanzlerin und CDU-Vorsitzende Angela Merkel müsse mit ihren Leuten entscheiden, mit wem sie verhandeln wolle. Dann wäre der jeweils andere erklärtermaßen aus dem Koalitions-Poker heraus. Doch ob das tatsächlich funktioniert, muss sich erst noch erweisen.

In der SPD scheiden sich in Sachen Schwarz-Grün die Geister. Einige, wie etwa die einflussreiche Vize-Vorsitzende und nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, können dieser Konstellation viel Gutes abgewinnen. Die Sozialdemokraten wären dann vorerst aus dem Schneider, müssten keine Zerreißprobe mehr überstehen, liefen nicht Gefahr, in einer neuen großen Koalition zu darben und künftige Wahlen in Ländern und Kommunen zu verlieren. Mit ihren Stimmen im Bundesrat könnten sie schwarz-grüne Projekte mutmaßlich verändern oder auch verzögern. Alles in allem keine unkomfortable Lage, sagen diese Leute.

Andere wiederum sehen in Schwarz-Grün eine Gefahr für die SPD. Zu diesen Leuten zählt der Vorsitzende Sigmar Gabriel. Er malt sich aus, was das bedeuten könnte: Funktionierte ein solches Bündnis leidlich, wäre die Sozialdemokratie politisch vorerst abgemeldet, womöglich über Jahre hinweg, ginge ohne einen festen Partner in die Bundestagswahl 2017 und müsste sich auch in Bundesländern auf christlich-ökologische Koalitionen einstellen. Vielleicht sogar schon bald in Hessen.

Dort allerdings ist Landeschef Tarek Al-Wazir bei den Grünen seit Jahren die unangefochtene Führungsfigur - und wäre damit in der Lage, auch ein solches, an der Basis tendenziell eher unbeliebtes Bündnis durchzusetzen. Aber wer sollte diese Figur auf Bundesebene sein?

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