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SPD-Spitzenkandidatin Hannelore Kraft im Interview:"Die Piraten sind Mitbewerber wie alle anderen auch"

Landesmama oder "Schuldenkönigin"? In Umfragen liegen Hannelore Kraft und die SPD weit vor der CDU. Dennoch warnt die NRW-Ministerpräsidentin vor der Landtagswahl am Sonntag, ihre Partei müsse kämpfen bis zum Schluss. Im SZ-Gespräch verrät sie, wie ihr Verhältnis zu CDU-Kandidat Norbert Röttgen ist, was sie von den Piraten hält - und weshalb sie selten Currywurst essen darf.

Hannelore Kraft, 50, ist seit 2010 SPD-Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen. Ihre rot-grüne Minderheitsregierung scheiterte Mitte März am Haushaltsentwurf für 2012, am Sonntag kommt es deshalb zu Neuwahlen in dem bevölkerungsreichsten Bundesland. In Umfragen liegen die Sozialdemokraten mit sechs bis sieben Prozent vor der CDU und ihrem Spitzenkandidaten Norbert Röttgen. Dennoch reiht Kraft Wahlkampftermin an Wahlkampftermin. Interviews werden zwischendurch geführt, in diesem Fall am Telefon, mit einer Stunde Verspätung. Kraft entschuldigt sich: Ihr Flug habe sich verzögert.

Kraft auf Wahlkampftour in NRW

Hannelore Kraft will Ministerpräsidentin in NRW bleiben: "Wir kämpfen bis zur letzten Minute."

(Foto: dpa)

Süddeutsche.de: Frau Kraft, wenn Sie ein Ministerium den Piraten abgeben müssten, welches wäre das?

Hannelore Kraft: Darüber denke ich überhaupt nicht nach. Die Runde der Spitzenkandidaten im WDR-Fernsehen war aber sehr aufschlussreich.

SZ: Dort waren Sie mit dem Spitzenkandidaten der Piraten, Joachim Paul, erstaunlich häufig einer Meinung ...

Kraft: ... das habe ich anders empfunden ...

SZ: ... und Paul bot Ihnen sogar an, das Programm der Piraten gemeinsam einem Realitätscheck zu unterziehen. Nehmen Sie an?

Kraft: Das habe ich nicht gehört. Aber es wäre ohnehin keine Option. Die Piraten sind bisher nicht in der Lage, zu den wichtigen landespolitischen Themen Antworten zu geben. Sie sind aber ein Mitbewerber wie alle anderen auch, mit denen wir uns inhaltlich auseinandersetzen.

SZ: Sie selbst haben - nach Meinung vieler Kommentatoren - sowohl im TV-Duell als auch in der Elefantenrunde gut abgeschnitten. Im Wahlkampf 2010 hatte es noch geheißen, Sie hätten im Fernsehen umständlich und fahrig gewirkt. Was hat sich seitdem verändert?

Kraft: Es gab damals auch andere Kommentatoren.

SZ: Sie haben sich nicht verändert?

Kraft: Nicht persönlich, nein. Aber natürlich war ich auch in einer anderen Rolle. Als Herausforderin verhalte ich mich in einem solchen Duell anders, als ich das als Ministerpräsidentin tue.

SZ: Norbert Röttgen hat Sie als Herausforderer pausenlos unterbrochen. Muss sich eine Ministerpräsidentin das bieten lassen?

Kraft: Ich habe großes Vertrauen in die Zuschauer. Die werden sich ihr eigenes Bild davon gemacht haben.

SZ: Wie ist Ihr Verhältnis zu Norbert Röttgen?

Kraft: Wir haben einen professionellen Umgang miteinander. Beim Schulkonsens habe ich ihn als verlässlichen Partner kennengelernt.