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Sigmar Gabriel:Gabriel polarisiert - so viel steht fest

Ein wichtiges Jahr hat begonnen. Im Mai ist Europawahl, in Bremen muss die SPD ihre letzte Festung verteidigen. Im Herbst wählen dann noch die Sachsen, die Thüringer und die Brandenburger. Für die SPD, in Umfragen bundesweit bei nur noch etwa 15 Prozent, geht es um die Existenz.

Martin Dulig, Landeschef der SPD in Sachsen, will auf Gabriel im Wahlkampf nicht verzichten. Dessen großer Vorteil sei, dass er "sowohl im direkten Gespräch als auch bei größeren Formaten Wirkung erzielt". Übersetzt heißt das: Gabriel schafft es noch, allein durch seine Anwesenheit Säle zu füllen. "Wir können zurzeit viel gute Politik durchsetzen, aber trotzdem ändert sich stimmungsmäßig nichts." Einem wie Gabriel traut er zu, die Stimmung zu drehen.

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Thüringens SPD-Innenminister Georg Maier sieht das anders. Wie passe das mit dem Versprechen zusammen, die Partei zu erneuern, wenn Gabriel reaktiviert würde? Die SPD brauche stattdessen "neue und unverbrauchte" Gesichter. Gabriel polarisiert - mindestens das.

Von den einflussreichen Landesgruppenchefs, Johann Saathoff für Niedersachsen und Achim Post für NRW, ist öffentlich nichts zur Gabriel-Frage zu vernehmen. Sie lassen die Veranstaltung in Osnabrück für sich sprechen. Gabriel hatte sich bei dem zweitägigen Treffen viel Zeit für die Abgeordneten genommen. Für seine Außenwirkung bekam er viel Raum. Es war, als hätten sie ihm ein Testfeld bereitet.

Ignorieren, marginalisieren oder umarmen

Andere, aus der zweiten Reihe, wagen sich mittlerweile vor: Karl-Heinz Brunner, Vizechef der Abgeordneten aus Bayern, sagt: "Ich halte es für notwendig, Sigmar Gabriel wieder stärker in die aktive Parteiarbeit einzubeziehen." Aus der ersten Reihe halten sich viele zurück, auch aus Sorge, der Chefin in den Rücken zu fallen. Einer aus dem Parteivorstand sieht es ganz pragmatisch: Man habe drei Möglichkeiten mit Leuten wie Gabriel umzugehen: ignorieren, marginalisieren oder umarmen. Möglichkeiten eins und zwei gelten als gescheitert. Bleibt: umarmen.

Nahles war selbst Gast in Osnabrück. Sie hat ein gutes Gespür für ihre Partei. Sie bekommt schnell mit, wenn sich irgendwo etwas zusammenbraut. Sie spürt, wie Gabriel das Feld sondiert. Im Willy-Brandt-Haus aber tut man das wieder aufgeflammte Gerede über Gabriel als lästiges Randthema ab. Die Partei habe andere Aufgaben vor sich. Am Zustand der nicht sehr friedlichen Koexistenz würde sich demnach vorerst so schnell nichts ändern, heißt es.

Gabriel umarmen? Klingt im Moment nicht danach, dass es dazu bald kommt.

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