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SPD: Klaus Vater:Ruppiger Regierungssprecher

Ein Relikt mit robustestem Umgang: Klaus Vater ist einer der letzten kalten Krieger der Parteipolitik. Jetzt wird der SPD-Mann Vize-Regierungssprecher - und sich deshalb mäßigen müssen.

Man kann es sagen, ohne ihm zu nahe zu treten: Klaus Vater ist ein Relikt. Er ist einer der wenigen im Berliner Regierungszirkus, die Bonn nicht nur erlebt haben, sondern das alte Hauptstadtgefühl immer noch verbreiten. Vieles war am Rhein eindeutiger, vor allem aber die Grenze zwischen rechts und links, und damit - je nach Blickwinkel - gut und böse.

Ruppiger Regierungssprecher: Klaus Vater.

(Foto: Foto: dpa)

Der 63-Jährige ist einer der letzten kalten Krieger der Parteipolitik und deshalb entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass in den verbleibenden Wochen der großen Koalition ausgerechnet Vater im Auftrag der SPD die Politik der Kanzlerin und CDU-Vorsitzenden Angela Merkel erklären wird. In zwei Wochen tritt er das Amt des Vize-Regierungssprechers an.

Unter allen Politikverkündern pflegt Vater wohl den robustesten Umgang. Offen räumt er ein, nur ausgesuchten Journalisten ein Interview mit seiner Ministerin Ulla Schmidt (SPD) und ihren Staatssekretären zu gewähren. Passt ihm ein Kommentar nicht, schreibt er einen bösen Brief. Passen ihm viele Kommentare nicht, schließt er den Schreiber auch von Hintergrundgesprächen und -informationen aus.

Im Clinch mit der Bild-Zeitung ging er sogar so weit, dem Blatt wegen unliebsamer Berichterstattung schriftlich anzudrohen, geplante Anzeigen zu stoppen. Das ging schief. Vater musste sich öffentlich für seine hitzige Attacke entschuldigen. Ministerin Schmidt sah sich dazu gezwungen, ihren Respekt vor der Freiheit der Presse zu bekunden.

Der ruppige Stil liegt dem in Bonn wohnenden Sozialdemokraten, wenn auch nicht im Blut. Man kann dem an sich fröhlichen Bartträger vor seinen berüchtigten Einlassungen in der Bundespressekonferenz förmlich dabei zusehen, wie er sich auf Krawall bürstet und innerlich in Rage bringt - die Halsader schwillt und die Gesichtsfarbe nimmt ein sattes Pompejanischrot an. So war das schon unter dem SPD-Sozialexperten Rudolf Dreßler, für den er neun Jahre arbeitete.

Seit 2002 versteht er sich als Presse-Rambo seiner Ministerin, der zur Not auch schon mal haarscharf an der reinen Wahrheit vorbei spricht. Privat sehr freundlich und umgänglich, hält Vater den Haudraufstil in der Gesundheitspolitik für absolut notwendig. Kein anderes Feld wird von mehr Interessensgruppen belagert, wenige sind so mächtig.

Es geht um knallharte Politik und um viel Geld. Schließlich werden im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung etwa 167 Milliarden Euro im Jahr verteilt, und pro Legislaturperiode gibt es mindestens eine Gesundheitsreform. Kein Wunder also, dass Schmidts Ministerium auch schon mal mit einer scharf bewaffneten Felsenfestung verglichen wird.

Im neuen Job wird sich der gelernte Journalist und Jugendbuch-Autor ("Sohn eines Dealers") mäßigen müssen. Schließlich gehört es zu seiner Aufgabenbeschreibung, das Gemeinsame der Koalition aus Union und SPD herauszustellen und nicht das Trennende.

Das gilt auch für den Wahlkampf. Denn im Unterschied zu vergangenen Zeiten muss die Regierungstruppe bis zum letzten Tag in der Lage zu geschlossenem Krisenmanagement sein, falls es wieder mal eine Bank oder ein großes Unternehmen zu retten gilt.