SPD-Kanzlerkandidaten:Traut Euch!

Wer will es mit Angela Merkel aufnehmen? Alle drei SPD-Kandidaten scheinen nur dann ins Rennen ziehen zu wollen, wenn der Erfolg quasi sicher ist. Doch in Krisenzeiten wollen wir von Politikern mit Courage regiert werden - und nicht von Hasenfüßen.

Susanne Höll, Berlin

Den Bürgern ist es vermutlich ziemlich wurscht, ob die SPD ihren Kanzlerkandidaten im November oder im Januar kürt. Für die Partei ist der Zeitpunkt dagegen von allergrößter Bedeutung. Denn mit ihrem Plan, den Herausforderer erst nach der Landtagswahl in Niedersachsen auszurufen, steht sie in der Gefahr, sich im für sie ohnehin schwierigen Wahljahr 2013 der Lächerlichkeit preiszugeben.

Die Troika aus Parteichef Sigmar Gabriel, Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und Ex-Finanzminister Peer Steinbrück hat sich überlebt. Inzwischen hat jeder begriffen, dass es zwischen den drei Herren keine ernsthafte Konkurrenz gibt. Vielmehr erwecken sie den Eindruck, dass keiner von ihnen willens und bereit ist, es mit der - aus SPD-Sicht - erschreckend populären Angela Merkel aufzunehmen.

Niedersachsen soll nicht etwa abgewartet werden, um dem Kandidaten in spe die heikle Zeit im Rampenlicht zu verkürzen. Der wahre Grund ist viel prosaischer: Die drei möchten schauen, ob ihre Partei dort siegen und vielleicht sogar mit den Grünen eine Regierung bilden kann. Das gäbe der SPD im Bund Aufwind, dem Kandidaten allzumal.

Von Protagonisten, die nur dann anzutreten gedenken, wenn der Erfolg quasi sicher ist, mag man nicht gern regiert werden, in der Krise schon gar nicht. Denn in solchen Zeiten braucht man Politiker mit Courage - und keine Hasenfüße.

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