SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück:Ein bisschen Klartext

Steinbrück unterwegs in Berlin

Will sich als Kanzler diplomatischer äußern: Peer Steinbrück.

(Foto: dpa)

"Ich werde als Kanzler kanzlergemäß sprechen", sagt Peer Steinbrück und verspricht eine diplomatische Umgangsweise. Aber bis dahin sind es ja noch ein paar Monate - mindestens. Und so kann der SPD-Kandidat weiter Klartext reden, über getrennten Sportunterricht für muslimische Kinder, über die Steueroasen-Affäre und "Clown" Berlusconi.

Ja, die Kandidatur mache ihm noch Spaß, sagt Peer Steinbrück im aktuellen Spiegel. Trotz all der Kritik an seiner Wahlkampagne. Trotz eines politischen Klimas, in dem sich nicht einmal der Hauch einer Wechselstimmung einstellen will. Trotz der noch immer miserablen Umfragewerte. Bei 26 Prozent steht die SPD nach der neuesten Emnid-Umfrage für die Bild am Sonntag. Die Union kommt auf 39 Prozent.

Er habe nie an Rückzug gedacht, sagt Steinbrück und sei nach wie vor mit Begeisterung und Optimismus bei der Sache. "Kommen Sie zu meinen Veranstaltungen. Da können Sie das sehen", so der SPD-Kanzlerkandidat im Spiegel. Eine Kandidatur sei keine Privatsache. "Es ist mir bewusst, dass ich auch Verantwortung für meine Partei, für unsere Unterstützer und eine Sache übernommen habe. Auch wenn es manchmal dick kommt, darf man sich nicht fragen, wie es gerade mit den eigenen Magensäften läuft. Das geht nicht", sagt Steinbrück.

An seinem Stil will der SPD-Mann auch im Falle eines Wahlsieges nichts grundsätzlich ändern - immerhin aber verspricht er eine diplomatischere Sprache. "Ich werde als Kanzler kanzlergemäß sprechen. Ich kann schon unterscheiden zwischen Klartext und den Verpflichtungen im Amt", sagt Steinbrück.

Aber bis dahin sind es ja noch ein paar Monate - mindestens. Und deshalb kann Steinbrück im Moment noch Klartext reden, zum Beispiel in Bezug auf die Politik in Italien. "Von den Clowns nehme ich in Bezug auf Herrn Berlusconi nichts zurück", sagte der Kanzlerkandidat in dem Interview.

"Völlig falsches integrationspolitisches Signal"

Im Februar hatte Steinbrück mit seiner Äußerung von den zwei Clowns in Italien - gemeint waren Berlusconi und der Chef der Fünf-Sterne-Protestbewegung Beppe Grillo - einen diplomatischen Eklat ausgelöst. Staatspräsident Giorgio Napolitano hatte sogar einen schon vereinbarten Termin mit Steinbrück abgesagt.

Ebenfalls auf Kritik gestoßen ist der SPD-Kanzlerkandidat mit seiner Forderung, aus religiösen Motiven eine Geschlechtertrennung im Sportunterricht zuzulassen. Steinbrück hatte am Mittwoch bei einer Veranstaltung gesagt, wo es möglich sei, solle man dem Wunsch muslimischer Eltern nach getrenntem Sportunterricht nachkommen. Dies sei besser als in Kauf zu nehmen, dass Eltern ihren Töchtern Entschuldigungen schrieben.

Kanzlerin Angela Merkel hält Steinbrücks Vorstoß allerdings für das "völlig falsche integrationspolitische Signal", wie sie über einen Regierungssprecher mitteilen ließ. Kritik kam am Wochenende aber auch aus der SPD: "Peer Steinbrücks Weg ist nicht der optimale, ich bin für gemeinsamen Unterricht", sagte Baden-Württembergs SPD-Chef Nils Schmid. "Wer Mädchen aus religiösen Gründen die Teilnahme am gemeinsamen Sportunterricht verweigert, verhindert die Integration muslimischer Kinder und fördert sie nicht", sagte die stellvertretende CDU-Chefin Julia Klöckner. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) warf Steinbrück im Focus vor, von Integrationspolitik "keine Ahnung" zu haben. "Bei aller Toleranz gegenüber dem Islam dürfen wir nicht die Gleichberechtigung von Mann und Frau in Frage stellen", so der CSU-Politiker.

Auch auf seinem angestammten Politikfeld versucht sich Steinbrück zu positionieren: Wegen der Affäre um Steueroasen greift er die Bundesregierung an: "Erst tut sie nichts, und jetzt kommt sie viel zu spät mit einer Überlegung", sagt Steinbrück. "Umso scheinheiliger sind die jetzigen Reaktionen, man wolle jetzt eine Art Steuer-FBI gründen." Dies hätte die Bundesregierung laut dem ehemaligen Bundesfinanzminister "längst tun müssen, statt die Steuerfahndung ins Abseits zu stellen".

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB