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Kanzlerkandidatur:SPD will am schnellsten sein

Klingbeil: Entscheidung über Kanzlerkandidatur im Spätsommer

"Wir sind sehr froh, ihn in unseren Reihen zu haben": Generalsekretär Lars Klingbeil (Bild) über Olaf Scholz.

(Foto: dpa)

Generalsekretär Lars Klingbeil kündigt an, bereits im Spätsommer einen Kanzlerkandidaten zu bestimmen. Die Unterstützung für Favorit Olaf Scholz wächst.

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil kündigt an, dass seine Partei schon in wenigen Wochen die Entscheidung über die Kanzlerkandidatur für die Bundestagswahl 2021 treffen wird. "Im Spätsommer werden wir über den Kanzlerkandidaten entscheiden, und dann ist die SPD als erste aller Parteien startklar", sagte Klingbeil dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Über den möglichen Kanzlerkandidaten Olaf Scholz sagt Klingbeil: "Zweifellos: Olaf Scholz führt das Land als Vizekanzler und Finanzminister gemeinsam mit Angela Merkel erfolgreich durch die Corona-Krise. Wir sind sehr froh, ihn in unseren Reihen zu haben." Das Vorschlagsrecht aber liege bei den Parteivorsitzenden.

Führende Sozialdemokraten haben zuletzt auf eine rasche Entscheidung zur Kanzlerkandidatur gedrängt. Dabei gab es Unterstützung für Vizekanzler Scholz. "Olaf Scholz wird von vielen genannt, wenn es um die Frage der Kanzlerkandidatur geht. Und ich halte das für einen guten Plan", sagte der SPD-Landeschef in Baden-Württemberg, Andreas Stoch dem Mannheimer Morgen. Zuvor hatten sich bereits der Chef der mächtigen NRW-SPD, Sebastian Hartmann, sowie zahlreiche Bundestagsabgeordnete und Minister für den Vizekanzler ausgesprochen. Prominente ablehnende Stimmen gab es kaum noch - sogar Juso-Chef Kevin Kühnert könnte sich wohl mit Scholz arrangieren.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil forderte die Parteispitze auf, den Kanzlerkandidaten direkt nach der politischen Sommerpause zu nominieren. "Irgendwann im September sollte es einen Vorschlag geben, der dann hoffentlich in der gesamten Partei auf breite Zustimmung stößt", sagte der SPD-Landesvorsitzende der Deutschen Presse-Agentur. Die SPD müsse ausnutzen, dass sich die Entscheidung bei der Konkurrenz von der Union in die Länge ziehe. "Insofern könnte die SPD schon auf dem Spielfeld stehen, während die anderen sich noch warm laufen", sagte Weil.

Die CDU will im Dezember zunächst einen neuen Parteivorsitzenden wählen. Erst danach will die Union über die Kanzlerkandidatur entscheiden. "Aber da streiten sich drei Männer um den Parteivorsitz, was natürlich auch mit der Kanzlerkandidatur verbunden ist. Das ist eine eher ungeordnete Situation", sagte Weil. Der SPD könne das nutzen.

Klingbeil äußert sich erwartungsgemäß negativ über mögliche Kanzlerkandidaten bei der Union. "Der interne Machtkampf in der Union nimmt immer bizarrere Züge an. Als Markus Söder die Bundeskanzlerin kürzlich wie ein König auf Schloss Herrenchiemsee empfangen hat, habe ich mich gefragt, warum die bayerischen Steuerzahler das Gegockel potenzieller Unions-Kandidaten eigentlich bezahlen müssen." Armin Laschet habe sich in der Corona-Krise als nicht kanzlertauglich erwiesen. Und bei Jens Spahn wisse jeder, dass er das Team mit Laschet lieber heute als morgen verlassen würde.

Doch nicht alle in der SPD sind offenbar Scholz-Anhänger. Zuletzt protestierte die Vorsitzende Saskia Esken gegen eine "NOlaf"-Kampagne im Internet. Sie schrieb auf Twitter: "Lasst es. Das nutzt nur dem Gegner, und der steht woanders." Und: "#Wir sind Sozialdemokrat*innen. Wir sind Teamplayer. Wir stehen zusammen." Dabei hatten gerade die in der Partei eher links stehenden Esken und ihr Co-Vorsitzender Norbert Walter-Borjans ihren Vizekanzler während des Wahlkampfs um die Führung in der SPD 2019 schwer angegriffen. Ausgerechnet die beiden Vorsitzenden könnten nun bald vor der Aufgabe stehen, eine breite Unterstützung für den Kanzlerkandidaten Scholz in der Partei organisieren zu müssen.

© dpa/hum
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