SPD-Ikone Bahr:Ausschnitte aus dem Leben des "tricky Egon"

Egon Bahr, Ikone der deutschen Sozialdemokratie, begann seine Karriere als Journalist bei der Berliner Zeitung. Sein erster Versuch, der SPD beizutreten, wurde von Willy Brandt abgewehrt.

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Bahr; Ostpolitik; Grundlagenvertrag

Quelle: SZ

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Egon Bahr, Ikone der deutschen Sozialdemokratie, begann seine Karriere als Journalist bei der Berliner Zeitung. Sein erster Versuch, der SPD beizutreten, wurde von Willy Brandt abgewehrt. Als Journalist könne er der Partei von außen nützlicher sein, argumentierte er. Erst 1956 ließ sich Brandt zähneknirschend erweichen: "Wem nicht zu raten ist, dem ist auch nicht zu helfen. Aber bitte."

So wurde Bahr 1960 Sprecher des von Brandt geführten Berliner Senats.

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Zuvor hatte Bahr zehn Jahre als Chefkommentator und Leiter des Bonner Büros des Berliner RIAS (Rundfunk im amerikanischen Sektor) gearbeitet.

Das Foto zeigt Bahr im Februar 2006 neben dem alten Logo des Senders im ehemaligen RIAS-Funkhaus in Berlin.

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Nach der Bundestagswahl 1969 wurde Bahr Staatssekretär im Bundeskanzleramt und Bevollmächtigter der Bundesregierung in Berlin. Das Foto zeigt ihn im Januar 1970 auf dem Flughafen Köln-Bonn vor seiner Abreise zu einem Treffen mit dem sowjetischen Außenminister. Mit Andrej Gromyko sprach Bahr über den sogenannten Gewaltverzichtsvertrag.

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Wenige Stunden später trifft Bahr vor dem sowjetischen Außenministerium ein. Bahr wurde vor allem durch seine Ostpolitik bekannt. Bereits 1963 hatte er in der Evangelischen Akademie Tutzing eine berühmte Rede gehalten, deren Titel "Wandel durch Annäherung" kennzeichnend für die spätere, maßgeblich von Bahr geprägte Ostpolitik der Bundesregierung wurde.

Diese beruhte auf drei Prinzipien: 1. Durch bloße Konfrontationspolitik lässt sich nichts erreichen. 2. Auch wenn man das politische System des Gegners ablehnt, kann man doch mit dessen Vertretern in Verhandlungen treten. 3. Ein gegnerisches System kann nur dann zu Zugeständnissen genötigt werden, wenn man seine eigenen Anliegen ernst nimmt.

Aufgrund dieser Prinzipien kam es Anfang der 70er Jahre zu den Ostverträgen, die eine erhebliche Entspannung in den Beziehungen zur Sowjetunion, zu Polen und der DDR mit sich brachten, weil in ihnen ein gegenseitiger Gewaltverzicht festgeschrieben wurde.

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Sinnbild für die neue Ostpolitik der Regierung Brandt: Der Kniefall des sozialdemokratischen Bundeskanzlers vor dem Mahnmal für die Opfer des Warschauer Ghettos in Polen im Dezember 1970.

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Maßgebliche Figuren ihrer Zeit: FDP-Außenminister Walter Scheel (l.), Staatssekretär Egon Bahr (M.) und Bundeskanzler Willy Brandt 1972 während der Beratung der Ostverträge im Bundesrat. Nach deren Verabschiedung ging Bahr als "Architekt der Ostverträge" mit der Sowjetunion, Polen und der DDR in die Geschichtsbücher ein.

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"Wenn wir schreiten Seit' an Seit'": Willy Brandt stößt 1972 mit seinem Staatssekretär Bahr an. Das Foto entstand auf einem Empfang zu Ehren von Bahrs 50. Geburtstag in dem Bungalow hinter dem Palais Schaumburg in Bonn.

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Weil die Vorverhandlungen zur neuen Ostpolitik im Licht der ideologisierten Öffentlichkeit kaum möglich waren, wurde Bahr rasch für seine "Geheimdiplomatie" und seine "geheimen Kanäle" bekannt. So erwarb er sich auch seinen Spitznamen: "Tricky Egon".

Das Foto zeigt Bahr 1984 als neuen Direktor des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg mit seinem Vorgänger Wolf Graf von Baudissin.

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Auch mit fast 80 Jahren arbeitete Bahr weiter in der internationalen Politik mit; hier bei der 37. Münchner Konferenz für Sicherheitspolitik mit dem republikanischen US-Senator John McCain.

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Bahr hat zwei Lieblingsausdrücke. Missliebige Ideen quittiert er mit "Quatsch!". Für ihn positive Nachrichten hingegen meist mit den Worten: "Das ist ja fabelhaft."

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Verdiente Würdigung: An seinem 80. Geburtstag, am 18. März 2002, wurde der SPD-Politiker (M.) zum Ehrenbürger Berlins ernannt. Er erhielt seine Ernennungsurkunde von Bürgermeister Klaus Wowereit (r.) und dem Präsidenten des Abgeordnetenhauses Walter Momper.

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Egon Bahr, mittlerweile 85 Jahre alt, ist im Berliner Willy-Brandt-Haus immer noch eine Autorität. Dort, im Hauptquartier der SPD, hat er im 4. Stock sein Büro und wird von führenden Spitzengenossen häufig um seine Meinung gebeten.

Das Bild zeigt ihn im Jahr 2002 mit seiner Lebensgefährtin Christiane Leonhardt bei einer Rede des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder.

Alle Fotos: AP, dpa, Reuters

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