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SPD empört über CSU-Attacke:Streit um Schulz

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Parlamentspräsident, SPD-Vize und Spitzenkandidat seiner Partei bei der Europawahl am 25. Mai: Martin Schulz.

(Foto: REUTERS)

Deftig geht es in der Schlussphase des Europa-Wahlkampfes zu. Die CSU holzt gegen SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz. Der Parlamentspräsident wirft der CDU wiederum Wählerverdummung vor.

In der Bundesregierung teilen sich Union und SPD einmütig die Macht, was sie nicht daran hindert, im Europawahlkampf harsch miteinander umzugehen. Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments und Spitzenkandidat der SPD, warf der CDU vor, die Bürger im Wahlkampf zu täuschen.

"Ich finde es bemerkenswert, dass die CDU weder ihren nationalen noch den EU-weiten Spitzenkandidaten plakatiert, sondern stattdessen Frau Merkel an den Laternenpfählen hängt", sagte Schulz der Bild am Sonntag. Das sei ein "Versuch, die Leute für dumm zu verkaufen, denn Frau Merkel steht bei der Europawahl nicht zur Wahl."In Bayern klebt die Unionsschwester CSU Plakate für die Wahl am 25. Mai, auf dem das Konterfei ihres Vorsitzenden und Ministerpräsidenten Horst Seehofer prangt.

Bisher ignorierte die in Bayern so dominierende CSU im Europawahlkampf die politische Konkurrenz. Das scheint sich nun zu ändern: Auf einem kleinen Parteitag in Nürnberg attackierten die Christsozialen die SPD, vor allem Schulz wurde heftig kritisiert.

Europawahl Kein Spruch zu derb
CSU-Spitzenkandidat Ferber

Kein Spruch zu derb

"Geschäftsführer der Schlepperbanden": Mit deutlichen Worten arbeitet sich der CSU-Spitzenkandidat für die Europawahl, Markus Ferber, an seinem Gegner Martin Schulz ab. Dem Sozialdemokraten wirft er Unaufrichtigkeit vor. Parteichef Seehofer findet die Tonlage richtig gut.   Von Mike Szymanski, Nürnberg

"Ein potenzieller Kommissionspräsident, der sich für Eurobonds und Schuldentilgungsfond einsetzt, versündigt sich an den Menschen in Europa", sagte CSU-Spitzenkandidat Markus Ferber. CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer sekundierte: "Die Fassade und die Person stammen aus Deutschland, aber die Stimme und die Inhalte stammen aus den Schuldenländern."

SPD empört sich über CSU - und verweist auf Berlusconi

Ferber kritisierte in Nürnberg zudem, Schulz habe sich angesichts der vielen 100 Fälle ertrunkener Afrikaner im Mittelmeer für eine großzügigere Aufnahme von Bootsflüchtlingen ausgesprochen. "Die Schlepperbanden in Afrika haben damit einen Geschäftsführer bekommen."

SPD-Vize Ralf Stegner zeigt sich empört über die CSU-Sprüche über Schulz - und verwies auf Italiens Ex-Premier und verurteilten Steuerbetrüger Silvio Berlusconi. "Während die CDU-Schwesterpartei von Berlusconi einen anti-deutschen Wahlkampf führt, erklärt (CSU-Generalsekretär Andreas) Scheuer nun, dass der Spitzenkandidat der SPD nur ein Fassaden-Deutscher sei", sagte Stegner. "Bei der Union darf man Sozialdemokraten wieder als "undeutsch" diffamieren. Offensichtlich verrutschen bei den Konservativen erneut alle Maßstäbe."

Kritik kam auch von der bayerischen SPD. "Die CSU verkommt mit ihren Vorurteilen und der billigen Europa-Kritik zum Steigbügelhalter für Rechtspopulisten und Splitterparteien", erklärte Generalsekretärin Natascha Kohnen. Keine zwei Flugstunden von Deutschland entfernt blicke aktuell ein Land in den Abgrund des Bürgerkriegs, erinnerte Kohnen. "Bayern und die CSU müssten angesichts dieser Gefahr ein Kraftzentrum für ein friedfertiges Europa sein."