SPD:Reaktion: Unverständnis

Allerdings: Der der 66-Jährige nimmt kaum eine seiner umstrittenen Thesen zurück. Er wehrt sich nur gegen die in seinen Augen falsche Interpretationen. So habe er nie verlangt, "sozialdarwinistische Thesen" oder eine "selektive Bevölkerungspolitik" in die politische Praxis umzusetzen.

Juso-Chef Sascha Vogt nannte die Erklärung in der Welt "mehr als dürftig". Auch SPD-Präsidiumsmitglied Ralf Stegner zeigte sich enttäuscht. Die gütliche Einigung sei zu akzeptieren, sagte der schleswig-holsteinische SPD-Chef der Online-Ausgabe des Spiegels. Inakzeptabel bleibe aber der "intolerante Stuss", mit dem Sarrazin reichlich Geld verdiene. Zudem hätten die "kruden Erbtheorien und der bildungs- wie integrationspolitische Nonsens" mit sozialdemokratischen Überzeugungen nichts gemein. Stegner legte Sarrazin den Wechsel in eine rechtspopulistische Partei nahe.

Warum sich die SPD mit Sarrazins Erklärungen zufrieden gibt, bleibt unbeantwortet. Die Vorsitzende der SPD-Schiedskommission hat allen Teilnehmern ein Schweigegebot auferlegt. Erst nach Ostern würden die Beteiligten dazu Stellung nehmen, verkündete Uken. So formulierte sie die österliche Friedensbotschaft: "Wir haben uns darauf verständigt, uns als SPD nicht auseinanderdividieren zu lassen, auch nicht durch Interpretationen von außen."

Die SPD scheint sich so einem unangenehmen medialen Dauerbrenner vom Hals zu schaffen. Bei einem Ausschluss ihres "Dissidenten" hätte der SPD ein sich über Monate hinziehender Rechtsstreit gedroht. Sarrazin, seit bald 40 Jahren Sozialdemokrat, hatte mehrfach angekündigt, sich notfalls durch alle Parteiinstanzen zu klagen. Das macht sich in dem wichtigen Wahljahr 2011 nicht gut. Auch in Sarrazins Heimatland Berlin wird am 18. September ein neues Abgeordnetenhaus gewählt.

Ob der nun ausgerufene Frieden so lange anhält, ist unklar.

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