SPD:Der seltsame Osterfriede mit Thilo Sarrazin

Mit seinen Thesen zu Muslimen hatte Thilo Sarrazin die SPD herausgefordert, nun darf der Provokateur Sozialdemokrat bleiben, obwohl er kaum etwas zurückgenommen hat. Es bleibt der Eindruck, die SPD-Führung sei eingeknickt.

Vor Monaten hätte damit wohl kaum ein Genosse gerechnet: Thilo Sarrazin darf in der SPD bleiben. Seine Thesen über muslimische Zuwanderern, die integrations- und leistungsunwillig seien, gemischt mit kruden Theorien zur Vererbung von Intelligenz, hatten einen Aufschrei bis zur SPD-Spitze ausgelöst.

Vorschau: SPD-Parteiausschlussverfahren gegen Sarrazin beginnt

Der Provokateur bleibt Sozialdemokrat: Thilo Sarrazin hat sich vor der Schiedskommission gütlich mit den Genossen geinigt.

(Foto: dapd)

Parteichef Sigmar Gabriel nannte Sarrazin einen "Hobby-Darwin" und Wegbereiter für "die Hassprediger im eigenen Volk" , warf Sarrazin einen Rückgriff auf eugenische Theorien aus dem 19. Jahrhundert vor, mit denen er eine Lehre von der angeborenen Überlegenheit des gebildeten Bürgertums gegenüber der Unterschicht begründe. Solche Botschaften könne die SPD nicht in den eigenen Reihen dulden.

Einige Monate später einigten sich beide Parteien vor der Schiedskommission gütlich, wie die Vorsitzende der Schiedskommission, Sybille Uken, verkündete. Ein überraschendes Ende nach einer monatelang aufgeheizten Debatte. Diese Wende ist erklärungsbedürftig, bleibt doch der Eindruck, die SPD-Führung sei eingeknickt.

Voraussetzung für die Rücknahme der Ausschlussanträge war eine schriftliche Erklärung Sarrazins zu seinen Thesen in seinem umstrittenen Bestseller "Deutschland schafft sich ab". Diese Erklärung gab Sarrazin ab. Er versichert, er habe zu keiner Zeit die Absicht gehabt, sozialdemokratische Grundsätze zu verletzen oder Migranten zu diskriminieren.

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