SPD:Dann sagt er über Gabriel: "Das ist einer meiner engsten Freunde"

Apropos Gabriel. Als Schulz über sozialdemokratische Aufsteigerbiografien spricht, da erwähnt er Altkanzler Gerhard Schröder und Außenminister Frank-Walter Steinmeier - nicht aber Gabriel, der ebenfalls einen solchen Aufstieg vorzuweisen hat. Und als er die Erfolge der SPD in der Regierung lobt, da erwähnt er die Ministerinnen Andrea Nahles und Manuela Schwesig, außerdem den Minister Heiko Maas. Aber nicht den Vizekanzler Gabriel.

Doch Schulz bekommt auch diese Kurve. Zunächst rühmt er Gabriel dafür, dass er die SPD in die (bei den Linken unbeliebte) große Koalition geführt habe. Dann sagt er über Gabriel: "Das ist einer meiner engsten Freunde, und ich bin vorsichtig mit dem Begriff des Freundes." Kein Applaus.

Ansonsten kann Schulz hier beinahe sagen, was er will - der Saal ist klar auf seiner Seite. So wie offenbar beträchtliche Teile der ganzen Partei. Am Sonntag zitiert die Welt den niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil: Schulz wäre "sicher" ein guter Kandidat. Er habe "die große Gabe, Leute zu begeistern". Weil ist Chef der niedersächsischen SPD, also jenes Landesverbands, zu dem auch Gabriel gehört. Auf dessen mögliche Kandidatur angesprochen, antwortet Weil deutlich zurückhaltender: Gabriel müsse nicht Kanzler werden, nur weil er Niedersachse sei. Er kenne jedoch nur "wenige Menschen, die ihm das Zeug zum Kanzler absprechen".

Immerhin, und so dürfte die Botschaft in der SPD-Zentrale gelesen werden: Er kennt solche Menschen. So wie auch Dietmar Woidke offenbar welche kennt. Er halte Schulz "für einen sehr, sehr guten Kandidaten", so wird Brandenburgs Ministerpräsident am Wochenende zitiert. Wobei Gabriel natürlich auch in Betracht komme.

Altkanzler Schröder sieht Schulz lieber im Europäischen Parlament

Und dann gibt es da noch einen bemerkenswerten Blog-Artikel des Wahlkampf-Strategen Frank Stauss, der für die Sozialdemokraten bereits diverse Kampagnen konzipiert hat und auch für die Bundestagswahl im Gespräch ist. In einem aktuellen Beitrag, der sich eigentlich mit dem US-Wahlkampf beschäftigt, kommt Stauss zu dem Schluss, dass Hillary Clintons Kandidatur falsch gewesen und der Grund dafür sei, dass sich Donald Trump überhaupt noch im Rennen befinde.

Dann schreibt er, man solle "in Deutschland und Europa" daraus lernen: "Auch wenn man meint, an der Reihe zu sein, auch wenn man es sich tatsächlich verdient hat, selbst wenn es objektiv ungerecht wäre, zurückstecken zu müssen - die Zeiten sind zu ernst, um nicht einzusehen, dass eine falsche Kandidatur zur falschen Zeit verheerende Folgen haben kann. Für ein Land, für eine Partei, manchmal sogar für die ganze Welt."

Was und wer damit gemeint ist? Da kann in einer hochnervösen SPD jeder seine Schlüsse draus ziehen. Gabriel wird die Wortmeldung zur Kenntnis nehmen. Und Martin Schulz? Der steht bereit. Am Ende seiner Rede ruft er den Parteilinken zu: Wenn die SPD den hart arbeitenden Leuten das Gefühl gebe, sie ernst zu nehmen - dann könne sie die Wahl gewinnen. Doch es gibt noch Sozialdemokraten, die eine Kandidatur wohl skeptisch sähen. Altkanzler Gerhard Schröder sagte am Freitag, Schulz sei "ein mächtiger Präsident" des Europaparlaments: "Alle Parlamentarier im Europäischen Parlament wären gut beraten, dass er dieses Amt über das Jahr 2017 hinaus weiter ausübt."

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB