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SPD-Chef Sigmar Gabriel:So langsam dürfte für manchen das Maß voll sein

Maas lässt sich nichts anmerken, sondern wartet Gabriels Antwort ab (er habe mit Innenminister Thomas de Maizière gesprochen, de Maizière sei einverstanden), dann tritt er wenigstens kurz noch einmal selbst ans Mikrofon und sagt, dass eine statistische Überprüfung des Gesetzes ohnehin bereits vorgesehen gewesen sei.

Bereits drinnen, während der nichtöffentlichen Debatte, war laut Teilnehmern am Applaus und in den Redebeiträgen deutlich geworden, wie beliebt und anerkannt Maas mittlerweile in der Partei ist - obwohl er in Sachen Vorratsdatenspeicherung eine beachtliche bis befremdliche Kehrtwende vollzogen hat. Und schon in den vergangenen Wochen war es einigen Spitzengenossen übel aufgestoßen, wie Gabriel den Justizminister behandelt hatte. So langsam dürfte für manchen nun das Maß voll sein.

War es notwendig, die große Keule rauszuholen?

Und Gabriel? Bekommt die nächsten Fragen gestellt - unter anderem danach, ob es eigentlich notwendig gewesen sei, in den Tagen vor dem Konvent die große Keule rauszuholen und für den Fall eines Votums gegen die Vorratsdatenspeicherung vor dem Verlust der Regierungsfähigkeit zu warnen? Generalsekretärin Yasmin Fahimi hatte das getan.

Antwort Gabriel: Manche hätten ihm gesagt, ohne solche Aussagen wäre die Mehrheit deutlicher ausgefallen.

Nun kann man zu seinen Gunsten annehmen, dass er sich damit auch selbst bezichtigt - schließlich hatte er zuletzt in internen Runden gewarnt, die Gegner trügen im Fall einer Ablehnung auch Verantwortung dafür, wie es weitergehe. Und in der "Bild"-Zeitung war die Meldung von einer direkten Rücktrittsdrohung Gabriels gelandet. Man kann es aber genauso gut so sehen, dass Gabriel auch seiner Generalsekretärin in der Stunde der Erleichterung noch mal kräftig eins mitgibt.

So ist er eben. Und so wird er wohl auch bleiben. Falls er Spitz-auf-Knopf-Situationen wie an diesem Samstag künftig vermeiden will, sollte er die Zahl solcher Auftritte allerdings wohl reduzieren.

© SZ.de/mikö
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