SPD-Chef Gabriel und die Pläne für die Öffnung der Partei:Volkspartei und Volk

Die SPD könnte attraktiver werden, indem sie auch Nichtmitglieder über ihre Kandidaten abstimmen lässt - doch die Reformidee wird von der Parteibasis nicht goutiert. Vielleicht wäre es klüger gewesen, zuerst den Mitgliedern mehr Mitsprache zu geben, statt dies auch gleich für Außenstehende zu fordern, wie es Parteichef Gabriel getan hat.

Susanne Höll

Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, wird sich der Traum von SPD-Chef Sigmar Gabriel nach einer Volkspartei modernen Typs erst mal nicht erfüllen. Mit der Idee, auch Nichtmitglieder bei der Kür von Kandidaten abstimmen zu lassen und die glanzlose SPD so attraktiver zu machen, insbesondere für die vielen gelangweilten Parteimitglieder selbst, stößt er auf zähen Widerstand.

SPD-Präsidiumssitzung

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel stößt mit seiner Reformidee auf Ablehnung bei der Parteibasis.

(Foto: dpa)

Mag sein, dass die SPD-Führung mit etwas mehr Fingerspitzengefühl die widerstrebende Basis mitsamt der Funktionäre leichter auf ihre Seite gebracht hätte. Vielleicht wäre es klüger gewesen, zuerst den Mitgliedern mehr Mitspracherechte zu geben, statt dies auch gleich für Außenstehende zu fordern. Allerdings kann kein Sozialdemokrat behaupten, Gabriel habe die Partei mit diesen Plänen überfallen. Die Idee tat er bereits in seiner viel bejubelten Rede auf dem Parteitag vor anderthalb Jahren in Dresden kund. Damals wurde er nach der katastrophalen Niederlage der SPD bei der Bundestagswahl mit fast 95 Prozent zum Vorsitzenden gewählt.

Auf dem nächsten Parteitag, im Dezember, stimmen die Delegierten wieder über Gabriel ab - und über die Parteireform auch. Das Resultat für den Vorsitzenden, so darf man vermuten, wird schlechter ausfallen als Ende 2009. Nicht nur, aber auch wegen der Parteireform. Und seine Kritiker werden sagen, Gabriel sei gescheitert. Das ist Unsinn. Jedenfalls dann, wenn die Mitglieder der Partei künftig mehr Einfluss erhalten und Gabriel in einem zweiten Anlauf die Partei weiter umbauen kann. Die Volksparteien haben, anders als die Grünen, ihren Charakter als politische Bewegung verloren. Wenn sie überleben wollen, müssen sie sich Fremden öffnen.

© SZ vom 13.07.2011/olkl
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