Es hat etwas Nostalgisches, zunächst. Neben der großen Willy-Brandt-Skulptur steht bei der Wahlparty, die keine werden wird, ein riesiger Bildschirm. Dort laufen im Atrium der SPD-Zentrale vor den ersten Prognosen die schönsten Bilder aus Scholz’ Kanzlerschaft. Als dann um 18 Uhr der rote Balken der SPD nur auf 16,5 Prozent steigt, etwa neun Punkte weniger als 2021, herrscht völlige Stille. Lauter wird es nur, als der Balken des hier so verachteten, früheren Koalitionspartners FDP es zunächst auf fünf Prozent schafft. „Oh je“, ist zu hören. Bei der AfD ist es dann nur noch ein Fluchen. Da ahnen sie im Saal noch nicht, dass es Stunden später hier schon zu ersten Konsequenzen kommen wird, einem Griff nach der ganzen Macht in der Partei.
SPDNeustart direkt nach dem Absturz
Lesezeit: 7 Min.

Nach ihrer schweren Niederlage beginnt die SPD noch am Wahlabend mit dem personellen Neuaufbau. Parteichef Lars Klingbeil soll neuer Fraktionsvorsitzender werden, aber für ein Bündnis mit der Union soll es keinen Automatismus geben.
Von Daniel Brössler und Georg Ismar, Berlin
