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SPD auf Rekordtief:Umfragen und das Kandidatenduell

Wahlforscher Falter erklärt, wieso die Umfragen oft so falsch liegen: "Die meisten Meinungsforscher teilen die Unentschlossenen in ihren Prognosen proportional auf die Parteien auf, in der Annahme, dass die Wahlabsichten dort genauso verteilt sind. Diese Annahme stimmt höchstwahrscheinlich nicht."

Das Team des SPD-Kandidaten

Helfer in Steinmeiers Schatten

Herauszufinden, zu welcher Partei die Unentschiedenen tendieren, ist zwar möglich - diesen Aufwand betreiben aber nur akademischen Studien. "Für die wöchentlichen Wahlprognosen wird das selten gemacht", sagt Falter. Steinmeier könne also auf eine nicht unerhebliche Menge latenter SPD-Anhänger hoffen. Doch auch die Union mit Angela Merkel, die immerhin einen "Kanzlerbonus" hat, könnte zum Zug kommen.

Doch um die Unentschlossenen zur Wahlurne zu bringen, müsste die SPD ihnen einen Grund zum Wählen liefern. "2002 und 2005 war das die Person von Gerhard Schröder", erklärt Güllner vom Forsa-Institut. In diesem Wahlkampf fehle ein solches Motiv. "Steinmeier schafft es nicht, die Wähler zu mobilisieren." Er bleibt ein guter zweiter Mann, der es als erster Mann versuchen muss. Den diplomatischen Habitus des Außenministers hat der Schröder-Vertraute jedenfalls noch nicht abgelegt.

Im vergangenen Wahlkampf hätten viele Wähler Vorbehalte gegen Angela Merkel gehabt, erklärt Güller weiter. Inzwischen jedoch habe sich die CDU-Chefin als Kanzlerin etabliert, die Bürger mögen sie und beurteilen ihre Leistung positiv.

So führt die Bundeskanzlerin unverändert die Liste der beliebtesten Politiker Deutschland an, 72 Prozent der Deutschen sind laut Deutschlandtrend mit ihrer Leistung zufrieden. Würde der Kanzler direkt gewählt, könnte sie mit 62 Prozent der Stimmen rechnen. Für Kanzlerkandidat Steinmeier hingegen würden nur 23 Prozent der Befragten stimmen.

Kein Wunder also, dass die SPD nun zu schärferen Mitteln greift. Generalsekretär Hubertus Heil greift die Kanzlerin persönlich an: "Frau Merkel ist, wie einige Finanzmarktprodukte, überbewertet", giftet er in der Neuen Presse aus Hannover. Die Genossen wollen Merkel stellen, den "Ball aufs Spielfeld" bringen, wie Müntefering erklärt. Doch die Kanzlerin entzieht sich den Attacken einfach und wirkt mit präsidialer Aura.

Den von Steinmeier so ehrgeizig aufgebrachten "Deutschland-Plan", der Vollbeschäftigung bis 2020 ermöglich will, hat sie kühl abmoderiert. Man könne nicht über etwas reden, was man nicht überschaut, so die Kanzlerin. Ende der Diskussion.

Über diese Strategie verzweifeln viele Sozialdemokraten. Da hilft es auch wenig, auf das Kandidatenduell zu hoffen, das 2005 das Wahlergebnis noch beeinflusst hat. Ein jovialer, rhetorisch starker Gerhard Schröder konnte damals mit Hilfe der TV-Diskussion immerhin 2,5 Millionen Wähler mobilisieren. Doch Steinmeier hat Schrödersche Stärken nicht erkennen lassen.

Unentschiedene Wähler lassen sich am stärksten sich von solchen Fernsehduellen beeinflussen - allerdings weniger von der Sendung selbst, die sie sich meist nicht anschauen, als von der nachfolgenden Diskussion in den Medien.

Dass das Merkel-Steinmeier-Duell einen ähnlich großen Effekt erzielen könnte wie das zwischen Schröder und Merkel nehmen die Experten jedoch nicht an. "Merkel müsste schon extrem schlecht sein und Steinmeier extrem gut, damit sich da etwas tut", sagt Güllner.

Wird die SPD also diesmal wirklich zur 20-Prozent-Partei? Das glaubt Wahlforscher Falter nicht: " Es können schon an die 30 Prozent werden." Die Lücke von 15 Prozentpunkten, die derzeit noch zwischen Schwarz und Rot klafft, noch zu schließen, traut er dem Kandidaten Steinmeier aber nicht zu.

Umfragen nicht überzubewerten, dazu rät auch die ungekrönte Königin der Statistik: "Mit mir brauchen Sie über Umfragen nicht zu reden", sagt die Bundeskanzlerin in Interviews. "Es zählen zum Schluss die Wählerstimmen."

Dass Angela Merkel die Umfragen nicht interessieren, ist genauso wenig zu glauben wie Frank-Walter Steinmeiers Gelassenheit. Doch richtig ist trotzdem: Am 27. September zählt das Wahlergebnis.

Gewonnen wird auf dem Platz, würde Müntefering sagen - und danach geduscht.