Spannungen im Nahen Osten:Libanon ist nur der jüngste Schauplatz der Auseinandersetzung

Die Konfrontation hat Saudi-Arabien längst in Jemen begonnen, wo die Huthis den rechtmäßigen Präsidenten aus dem Land jagten. Der unselige Krieg hat nach zweieinhalb Jahren und Tausenden Luftangriffen wenig bewirkt, außer das Land zu verheeren. In Irak sucht Riad auffallend die Nähe von Premier Haidar al-Abadi und des irankritischen Schiiten-Predigers Moktada al-Sadr. Ein Gegengewicht ergibt das noch nicht. In Syrien, wo Präsident Baschar al-Assad mithilfe Russlands, der Hisbollah und Irans den Bürgerkrieg für sich entscheidet, versucht Riad in Sunniten-Gebieten im Osten Fuß fassen - mit bescheidenen Aussichten. Wie Israel will der saudische Kronprinz verhindern, dass Iran den schiitischen Bogen schlägt über den Irak und Syrien nach Libanon - oder auf Dauer in Syrien bleibt.

Libanon ist nur der jüngste Schauplatz der Auseinandersetzung, jedoch ein gefährlicher. US-Präsident Donald Trump bestärkt die Saudis und Israel in ihrer harten Haltung. Ein Angriff auf Hisbollah-Ziele in Libanon allerdings wäre so töricht wie verheerend. Als Antwort würden Tausende Raketen Israel treffen und einen Konflikt heraufbeschwören, der auf beiden Seiten weit mehr Menschenleben kosten, weit größere Zerstörungen anrichten würde als jener im Jahr 2006. Auch ein Krieg zwischen Iran und Saudi-Arabien wäre dann nicht ausgeschlossen. Wahrscheinlicher ist deshalb ein Embargo nach dem Modell Katar. Libanon ist wirtschaftlich verwundbar, die Saudis haben viel Geld in den Banken dort angelegt.

Die große Gefahr liegt darin, dass kleinste Provokationen Libanon zum Kippen bringen können. Es wäre nicht der erste Krieg im Nahen Osten, der durch eine Eigendynamik so eskaliert, dass er nicht wieder unter Kontrolle gebracht werden kann. Hariri hat sich, so man seinen Vertrauten glaubt, geweigert, das Arrangement mit der Hisbollah aufzukündigen. Er weiß um die fragile Statik Libanons. Die Saudis haben sich entschieden, das zu ignorieren. Womöglich erfasst die Krise deswegen bald die gesamte Region.

© SZ vom 13.11.2017/luch
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