bedeckt München 23°
vgwortpixel

Spanierin über Jobsuche in Europa:Es geht darum, die eigene Angst zu überwinden

Wie soll man dieses Problem lösen? Im Falle Spaniens sind bereits viele Reformen umgesetzt worden, aber es hat sich kein Wandel vollzogen. Wenn Spanien zusammen mit anderen europäischen Ländern eine nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit erreichen möchte, muss es mehr in Forschung und Entwicklung investieren anstatt sich darauf zu konzentrieren, traditionell dominierende Sektoren seiner Volkswirtschaft wiederzubeleben (Tourismus, Bau und Landwirtschaft). Anderenfalls könnte sich zwar die Wirtschaft erholen, bliebe aber im höchsten Grade abhängig und fragil. Dies würde sie für Fluktuationen in globalen Märkten besonders angreifbar machen und die Schaffung von hochqualifizierten Jobs erschweren.

Bleiben oder gehen?

Ich gebe zu, dass es für den europäischen Arbeitsmarkt wichtig und nötig ist, Mobilität anzuregen, aber das reicht sicherlich nicht aus. Die Frage der Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit muss über die Frage "bleiben oder gehen" hinausgehen und in erster Linie ein Recht und keine Verpflichtung für junge Europäer bleiben. Mobilität ist weder die einzige Lösung noch die beste.

Nachdem ich einige Monate arbeitslos war und sich keine beruflichen Möglichkeiten ergeben haben, habe ich entschieden, dass es nun an der Zeit ist, selbst aktiv zu werden. "Das ist aber sehr riskant!" - wurde mir oft gesagt. Und ja, das ist es in der Tat. Ich habe mit meiner risikoscheuen Einstellung und mit meiner Angst vor dem Scheitern gehadert (und das wird wahrscheinlich immer so bleiben). Ich kenne in der Tat keinen einzigen Spanier, der sich nicht nach Stabilität sehnen würde. Ganz abgesehen davon, ist Spanien nicht gerade als unternehmerfreundlich bekannt - die Bürokratie und die steuerlichen Verpflichtungen sind gerade zu ein Alptraum.

Unabhängig von all diesen entmutigenden Faktoren bin ich zu dem Schluss gekommen, dass das Risiko zu warten höher ist als das Risiko zu scheitern. Nach Abschluss meiner wissenschaftlichen Karriere habe ich erkannt, dass ich mich neu erfinden muss. Aber ich habe auch erkannt, dass ich meine Erfahrung und mein Wissen als Lehrbeauftragte und Forscherin für bilinguale Erziehung nutzen kann, um als selbstständige Trainerin und Beraterin zu arbeiten.

Die Krise hat es allen Spaniern verdeutlicht, dass es sehr wichtig ist, seine Fremdsprachenkenntnisse zu verbessern und hier bot sich mir eine berufliche Perspektive. Aus diesem Grund arbeite ich nun freiberuflich, und habe ein - sehr bescheidenes aber vielversprechendes - Fremdspracheninstitut. Neu anzufangen ist immer schwierig, aber ich könnte niemals die Gelegenheit, die diese Krise bietet, ungenutzt verstreichen lassen.

Dieser Artikel erscheint im Rahmen der Kooperation "Mein Europa" von Süddeutsche.de mit dem Projekt FutureLab Europe der Körber-Stiftung. Bis zur Europawahl Ende Mai werden in der Serie junge Europäer zu Wort kommen - streitbar, provokativ und vielfältig.

Estefanía Almenta, 30, arbeitet als selbstständige Trainerin in Madrid. Sie hat in England, den Niederlanden, Schottland und Spanien studiert und gearbeitet. Sie wurde als "Herausragende Absolventin des Jahres" vom spanischen Bildungsministerium ausgezeichnet und von der Fundación Carolina als Teilnehmerin des 7. Lateinamerikanischen Young Leaders Programms ausgewählt.

An English version of the text is available at the website of FutureLab Europe.

Übersetzung: Dorothea Jestädt