Spanien Ex-Hoffnungsträger

Der Rechtsruck in Andalusien zeugt von Sánchez' Schwäche.

Von Thomas Urban

Die Nachricht aus Andalusien kam nicht überraschend: Die konservative Volkspartei (PP) und die rechtsliberale Bürgerpartei (Ciudadanos) stellen die neue Regionalregierung, geduldet von der rechtsextremen Gruppierung Vox. Der Rechtsruck in der größten spanischen Region ist, schlicht gesagt, Ergebnis von fast vier Jahrzehnten sozialistischer Vettern- und Misswirtschaft.

Die Wähler hatten genug von der Sozialistischen Arbeiterpartei (PSOE), deren Funktionäre kräftig in die eigene Tasche gewirtschaftet haben: rund eine Milliarde EU-Geld, vorgesehen für Umschulungen von Arbeitslosen, wurde veruntreut. Das Beispiel Sevilla zeigt auch, dass die PSOE von der Übernahme der Zentralregierung im vergangenen Frühjahr nicht profitiert. Der spanische Premier Pedro Sánchez ist kein Sympathieträger, er tritt arrogant und ungeschickt auf. Seine Minderheitsregierung muss Verbündete in der politischen Mitte suchen, Sánchez aber propagiert laufend gesellschaftspolitische Projekte, die Herzenssache der Linken sind. Sein Vorhaben, die Gebeine von Diktator Franco 43 Jahre nach dessen Tod umbetten zu lassen, droht ebenfalls zu scheitern - weil es miserabel vorbereitet ist. So könnte Sevilla das Ende von Sánchez in Madrid einläuten, der noch vor Kurzem als Hoffnungsträger der Sozialdemokraten in ganz Europa galt.