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Spanien:Dialog ist kein Verrat

Madrid muss den Separatisten einen Rückzug in Ehren gewähren.

Dem Konflikt zwischen Madrid und Barcelona liegen falsche Prämissen auf beiden Seiten zugrunde. Die katalanischen Aktivisten verkünden, dass sie vom spanischen Zentralstaat unterdrückt würden; doch internationale Beobachter, an der Spitze die EU, widersprechen dem. Denn seit dem Tod des Diktators Franco vor 44 Jahren stimmt dieses Argument nicht mehr. Die Zentralregierung in Madrid aber ist fälschlicherweise von der Annahme ausgegangen, dass die Justiz das Problem lösen werde. Doch spricht wenig dafür, dass dies geschieht.

Vielmehr dürften die harten Urteile bei den bevorstehenden nationalen Wahlen den separatistischen Parteien so viel Zustimmung einbringen, dass ihre Abgeordneten weiterhin die Bildung einer Regierung in Madrid sabotieren können - so wie dies schon seit vier Jahren der Fall ist.

Nicht die Demütigung der Separatisten führt aus der Krise, sondern nur deren Rückzug in Ehren, den Madrid nun endlich ermöglichen sollte. Hier sind besonders die oppositionellen spanischen Konservativen gefragt, die durch ihre bornierte Politik in den Jahren, als sie die Regierung führten, die Krise erst haben eskalieren lassen und die nun jeden Dialog mit den Separatisten als Verrat schmähen. Dialog aber kann nie Verrat sein, sondern es ist der einzige Weg zur Lösung des Konflikts.