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Corona-Beschränkungen in Spanien:Iberisches Urlauber-Dilemma

In Katalonien und auf den Balearen gelten nach neuen Ausbrüchen auf dem Festland strenge Corona-Regeln - Urlauber will man nicht verschrecken. Doch wie geht man mit Ballermann-Touristen in Sauflaune um?

Von Sebastian Schoepp

Gesundheitsministerin auf Mallorca zu sein, ist derzeit alles andere als eine leichte oder dankbare Aufgabe. Patricia Gómez von der sozialdemokratisch geführten balearischen Landesregierung muss eine eigentlich unmögliche Balance austarieren: Einerseits ist die Insel auf Touristen angewiesen, andererseits müssen die äußerst strengen Corona-Maßnahmen durchgesetzt werden, die auch nach Aufhebung des Lockdowns in vielen Gegenden Spaniens verhängt wurden - und die nicht gerade urlaubsfreundlich sind.

In Katalonien und auf den Balearen gelten nach neuen Ausbrüchen auf dem Festland besonders strenge Regeln - seit Montag muss in den beiden spanischen Regionen ein Mund-Nase-Schutz eigentlich überall außer in den eigenen vier Wänden getragen werden. Wer ohne erwischt wird, muss 100 Euro Strafe zahlen.

Da aber zu erwarten ist, dass das nicht jeder Tourist gleich mitkriegt, hat Patricia Gómez eine Frist von einer Woche gesetzt, bis zum 20. Juli, damit die Menschen sich mit den Maßnahmen vertraut machen, wie sie in einer Pressekonferenz ankündigte. Erst dann setzt es Strafen.

Dahinter mag auch die Angst stecken, die Maßnahmen womöglich gar nicht oder nur mit ferienvermiesendem Druck durchsetzen zu können. Bereits am Wochenende waren die Sicherheitskräfte auf Mallorca mit dem Bemühen gescheitert, die bis dahin geltenden Regeln durchzusetzen, dass Masken überall da getragen werden mussten, wo ein Sicherheitsabstand von anderthalb Metern nicht eingehalten werden konnte.

Hunderte Touristen am Ballermann und in anderen Partyzonen in Strandnähe pfiffen darauf, es wurde wild gesoffen und gefeiert, Masken waren fast nirgends zu sehen, wer eine trug, wurde ausgelacht. Die Polizei gab offensichtlich auf. Selbst im fernen Deutschland zeigte sich Gesundheitsminister Jens Spahn entsetzt.

Damit das nicht wieder passiert, soll es nun eine Aufklärungskampagne geben. Dabei werden eine Menge Fragen zu klären sein, denn theoretisch muss eine Maske auch im Restaurant am Tisch getragen werden, außer beim Essen selbst. Wartet man jedoch auf den nächsten Gang oder sitzt noch ein Weilchen beisammen, muss sie wieder aufs Gesicht. Da Gómez weiß, wie schwer das durchzusetzen ist, appellierte sie nun an das Verantwortungsgefühl der Bürger.

Feriengäste sollen ja nicht kriminalisiert werden

Wie sehr sich ausländische Touristen in Sauflaune davon angesprochen fühlen, bleibt abzuwarten. Als Zugeständnis an die Realität und die Kontrollierbarkeit gewissermaßen wird nun erwogen, die Maskenpflicht bei Spaziergängen an den Uferpromenaden auszusetzen. Die Feriengäste sollen ja auch nicht kriminalisiert werden. An den Strand darf man sowieso ohne Maske.

Ganz Spanien kämpft seit der Aufhebung des Alarmzustands mit lokalen Ausbrüchen, die sich häufen. Viele Spanier feierten nach Ende der strengen Ausgangssperren Wiedersehen mit Umarmungen und Küsschen. Seitdem gelten Familienfeiern als Ausbruchsherde, wie El País am Wochenende berichtete.

Aber auch unter Erntearbeitern, die auf engem Raum zusammenleben, mehren sich die Fälle, weshalb vergangene Woche die katalanische Stadt Lleida und Umgebung unter einen strengen Lockdown gestellt wurden. 160 000 Menschen dürfen Stadt und Umgebung nicht verlassen.

In ganz Katalonien gilt eine strenge Maskenpflicht drinnen und draußen, und anders als auf Mallorca werden die 100 Euro Strafe unbarmherzig abkassiert, etwa in der Ferienregion Costa Brava. Das Gleiche gilt in der dünn besiedelten Extremadura.

Allerdings zeigt sich, dass auch in Spanien der Widerstand wächst, nachdem die Menschen einen Lockdown von fast sieben Wochen ohne nennenswerten Widerspruch ertragen hatten. Ein Gericht hat den neuen Lockdown in Lleida für nichtig erklärt.

Kataloniens Regionalregierungschef Quim Torra will nun eine Art Notstand per Dekret einführen und das Urteil damit umgehen. Die Staatsanwaltschaft hat ihm aber bereits widersprochen. Eine Regionalregierung könne keine Maßnahmen verhängen, die die Grundrechte aussetzten.

© SZ.de/odg

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