Spanien Amateurhaft

Warum der Plan gescheitert ist, Francos Gebeine umzubetten.

Von Thomas Urban

Vor genau einem Jahr verkündete der neu ins Amt gekommene spanische Premier Pedro Sánchez die Entfernung der sterblichen Überreste des Diktators Franco aus dem abgelegenen, 50 Kilometer von Madrid entfernten Tal der Gefallenen. Für sein Projekt, die pompösen Bauten in ein Zentrum zur Dokumentation der Schrecken des Spanischen Bürgerkriegs (1936-1939) zu verwandeln, bekam er auch international viel Beifall.

Doch schnell zeigte sich, wie amateurhaft Sánchez vorgegangen war: Er hatte weder die Nachkommen Francos noch die katholische Kirche, Hausherrin der Basilika mit dem Grab, eingebunden. Vielmehr machte er die rasche Umsetzung seines Plans zum Paradeprojekt der von ihm geführten Sozialistischen Arbeiterpartei.

Die Obersten Richter gaben nun zu verstehen, dass ein Regierungsdekret kein ausreichendes Instrument zur Aufarbeitung der Diktatur sei. Sie mahnten weitere Konsultationen an. Sánchez hätte dies von Anfang an tun sollen. Es wäre nicht schwer gewesen, ein überparteiliches Gremium zu bilden, denn keine der Fraktionen im Parlament hat versucht, die Umbettung Francos zu blockieren. Auch den Segen der Kirche hätte es dann gegeben. Sánchez sollte lernen, dass Geschichtspolitik nur erfolgreich sein kann, wenn sie möglichst viele Kräfte der Gesellschaft einbindet.