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Coronavirus:Spahn sieht Ansteckungsgefahr in Deutschland

Gesundheitsminister zu Coronavirus

Gesundheitsminister Spahn äußert sich in Berlin zum Coronavirus.

(Foto: dpa)
  • Bundesgesundheitsminister Spahn rechnet nach den Coronavirus-Fällen in Italien auch in Deutschland mit einer größeren Ansteckungsgefahr.
  • In der Bundesrepublik sei es jedoch noch möglich, Betroffene zu isolieren, zu behandeln und ihre Kontaktpersonen zu ermitteln, sagte Spahn.
  • Der Präsident des Robert Koch-Instituts meldete Zweifel an, ob hierzulande ganze Städte unter Quarantäne gestellt werden könnten.

Angesichts der Ausbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 im Norden Italiens bereitet sich die Bundesregierung auch auf eine gravierendere Lage in Deutschland vor. "Die Corona-Epidemie ist als Epidemie in Europa angekommen", sagte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Montag in Berlin. "Deshalb müssen wir damit rechnen, dass sie sich auch in Deutschland ausbreiten kann." In Italien forderte der Ausbruch bis Montagnachmittag mindestens fünf Todesopfer.

Allerdings sei Deutschland bestmöglich vorbereitet. Die Bundesrepublik verfüge über eines der besten Gesundheitssysteme der Welt, das Jahr für Jahr auch die Grippewellen erfolgreich bewältige. Trotz der 16 bekannten Infektionsfälle hierzulande sei es noch möglich, Betroffene zu isolieren, zu behandeln und ihre Kontaktpersonen zu ermitteln, so Spahn. Bei einer stärkeren Ausbreitung müsse der Schwerpunkt in einer möglichen "nächsten Phase" auf Behandlung und Verhaltenshinweise an die Bevölkerung gelegt werden.

Auf die Frage, ob ganze Städte abgeriegelt werden könnten, sagte der CDU-Politiker, theoretisch sei vieles denkbar. Notwendig sei so ein Schritt nicht. "Von der Absage von Großveranstaltungen (...) bis zum kompletten Abriegeln ganzer Städte gibt es ja auch noch viele Zwischenstufen." Spahn betonte: "Wir reagieren jederzeit angemessen und verhältnismäßig."

Der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, meldete Zweifel an, ob in Deutschland ganze Städte unter Quarantäne gestellt werden könnten. In China sei dies nur mit dem Einsatz des Militärs gelungen. Wieler sagte bezüglich der Forschung, am schnellsten sei derzeit die Entwicklung von Therapien gegen die Krankheit. "Einen Impfstoff werden wir in einem Jahr etwa haben", so Wieler. Auch der RKI-Präsident rechnet mit einer weiteren Verbreitung des Erregers: "Wir müssen davon ausgehen, dass er sich in Deutschland weiter ausbreitet."

Spahn betonte, jeder könne dazu beitragen, dass sich das Virus nicht ausbreite: Wichtig sei es, mehrmals am Tag gründlich die Hände zu waschen, beim Husten andere zu schützen und sich nicht selbst ins Gesicht zu fassen. Grenzschließungen plant die Bundesregierung derzeit nicht.

Spahn lobte Italien für sein konsequentes Handeln und für die gute Informationspolitik gegenüber den europäischen Partnern und Nachbarländern. Morgen sollen die Gesundheitsminister Italiens und der Nachbarländer in Rom beraten.

© SZ.de/dpa/Reuters/fie/bix
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